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Nr. 3117

 

Arena der Träume

 

Auf der Suche nach der Nano-Irritation – im System der Traumkalkulatoren

 

Uwe Anton

 

 

 

Pabel-Moewig Verlag KG, Rastatt

 

Cover

Vorspann

Die Hauptpersonen des Romans

Prolog: Sternenruf

1. In der Grube

2. Auf ins Große Haus!

3. Gesichter in den Wänden

4. Das Bauwerk

5. Der Abgesandte

6. Die Aufgabe des Konduktors

7. Die Todesangst des blanken Gaids

8. Der mentale Weg

9. Das mentale Inferno

10. Der Krumme Gryllner

Fanszene

Leserkontaktseite

Glossar

Impressum

PERRY RHODAN – die Serie

 

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In der Milchstraße schreibt man das Jahr 2071 Neuer Galaktischer Zeitrechnung. Dies entspricht dem 6. Jahrtausend nach Christus, genauer dem Jahr 5658. Über dreitausend Jahre sind vergangen, seit Perry Rhodan seiner Menschheit den Weg zu den Sternen geöffnet hat.

Noch vor Kurzem wirkte es, als würde sich der alte Traum von Partnerschaft und Frieden aller Völker der Milchstraße und der umliegenden Galaxien endlich erfüllen.

Terraner, Arkoniden, Gataser, Haluter, Posbis und all die anderen Sternenvölker stehen gemeinsam für Freiheit und Selbstbestimmtheit ein, womöglich umso stärker, seit ES, die ordnende Superintelligenz dieser kosmischen Region, verschollen ist.

Als die Liga Freier Galaktiker durch drei Deserteure erfährt, dass in der Nachbarschaft der Milchstraße ein sogenannter Chaoporter gestrandet sei, entsendet sie unverzüglich ihr größtes Fernraumschiff, die RAS TSCHUBAI. Denn von FENERIK geht wahrscheinlich eine ungeheure Gefahr für die Galaxis aus.

Perry Rhodan begibt sich in Cassiopeia auf die Suche nach dem Chaoporter. Seine Nachforschungen führen ihn in die ARENA DER TRÄUME ...

Die Hauptpersonen des Romans

 

 

Perry Rhodan – Der Terraner betritt die Arena der Träume.

Lyu-Lemolat – Die Tefroderin ist einem Geheimnis auf der Spur.

Hroch-Tar Kroko – Der Topsider ergreift die Initiative.

Shema Ghessow und Damar Feyerlant – Die Mutanten gehen in einen erneuten Einsatz.

Wallwen – Der Konduktor hat es mit einer ganz besonderen Gruppe zu tun.

Prolog

Sternenruf

 

Zum ersten Mal, seit Reginald Bull den Sternenruf hörte, verstand er einige Worte, obwohl die Stimme kein Interkosmo sprach.

»Wo bist du?«, fragte die Stimme. »Warum bist du noch nicht zu mir gekommen?«

Bull stand wie erstarrt da. »Wer bist du?«

»Ich bin weniger als Zou Skost«, sagte die Stimme. »Ich bin die Lösung.«

1.

In der Grube

 

Perry Rhodan achtete darauf, den anderen nicht zu weit vorauszueilen. Du musst mit der Menge gehen, dachte er. Die Menge gibt dir Schutz. In der Menge bist du sicher. Sicherer jedenfalls, als würdest du den großen Anführer heraushängen lassen. Anführer bilden immer Zielscheiben.

Verstohlen sah er sich um. Einige Ghutawen hatten zu ihm aufgeschlossen, übernahmen nun die Spitze und gaben das Tempo vor. Es waren große Wesen mit sehr langen Beinen, die über zwei Kniegelenke verfügten. So ungewöhnlich ihre Bewegungen anmuteten, abgehackt und zackig, sie schienen prädestiniert dafür zu sein, sehr schnell zu gehen. Wenn sie einen Schritt machten, musste Rhodan vier machen.

Wie zum Ausgleich waren ihre Oberkörper kurz und gedrungen. Auf ihren breiten Schultern saß ein schmaler Periskophals mit einem faustgroßen Kopf, der von einem zyklopischen, tiefroten Facettenauge dominiert wurde. Ihre Gehirnkuppel befand sich im Brustkorb, direkt unter dem Halsansatz, an dem auch der Mund angebracht war. Die Hör- und Riechorgane lagen in kleinen Öffnungen an den Kopfseiten.

Dennoch fragte sich Rhodan, was sie bei ihrer Größe für einen Einsatz in einem Bergwerk prädestinierte.

Die meisten Ghutawen trugen Grubenlaternen, die sie mit ihren langen Armen schwenkten. Dahinter steckte keine besondere Absicht; es war lediglich eine Folge ihrer Bewegungen, an die der Terraner sich nicht gewöhnen konnte.

Warnte ihn sein Instinkt? Ging von ihnen unterschwellig eine Gefahr aus? War es besser, sie im Auge zu behalten?

Einige Gaids bemühten sich, mit den Ghutawen Schritt zu halten.

Rhodan fragte sich, ob sie mit den Ghutawen stammesgeschichtlich verwandt waren. Gaids waren – mit Ausnahme des Halses und Kopfes – völlig menschenähnlich, um die 1,80 Meter groß, hatten zwar breite Schultern, aber relativ dünne Arme und Beine. Ihre Haut schimmerte blau und grün, und sie waren völlig haarlos. Ihr Kopf saß auf einem schlauchartigen Hals von vielleicht zehn Zentimetern Länge, hatte ebenfalls lediglich die Größe einer menschlichen Faust und war kugelrund.

Die gesamte Vorderseite des Kopfes nahm ein großes Facettenauge ein, an den Seiten saßen winzige Öffnungen, hinter denen sich die Hör- und Riechorgane befanden. Eine Öffnung für die Nahrungsaufnahme, die überdies als Sprachorgan genutzt wurde, befand sich an der Stelle, an der der Hals in den Körper überging. Dort saßen auch die Gehirne der Gaids.

Wohl kaum, dachte Perry Rhodan. So groß waren die Gemeinsamkeiten zwischen Ghutawen und Gaids nun wieder nicht. Er kannte sich einigermaßen in Andromeda aus und vermutete, dass sie bloß zufällig einen ähnlichen Körperbau hatten, mehr nicht.

Auch die jüngere Geschichte der Gaids war ihm bekannt. Zum letzten Mal hatten die Galaktiker während der Zeit der Frequenz-Monarchie enger mit ihnen zu tun gehabt. Sein Freund Atlan war in Kontakt mit einer Widerstandsbewegung gegen die aktuelle Politik der Gaids gekommen, die ein Bündnis mit den Vatrox eingegangen waren. Die Frequenz-Monarchie hatte eine Armee von Klonkriegern dieser Spezies erschaffen und sich so eine treu ergebene Gaid-Flotte aufgebaut.

Deshalb hatte sich der Anführer des Widerstands dem Untergrund angeschlossen und war mit Atlan gegen die Frequenz-Monarchie vorgegangen. Es waren diese Gaids gewesen, die seit 1461 NGZ gefährdete Personen nach Cassiopeia und damit in ein sicheres Exil gebracht hatten. Daraus hatte sich auch nach dem Sieg über die Frequenz-Monarchie eine ständige Besiedlung von Ghuurdad entwickelt.

Die Gaids waren ...

Rhodan kniff die Augen zusammen.

Er hatte den Gedanken vergessen, den er gerade zu Ende führen wollte.

Was war los mit ihm? Nahm ihm jemand seine Erinnerungen oder manipulierte sie zumindest?

Schnaufend stapfte ein Maahk in einem schweren Skaphander heran. Mit seiner Größe von weit über zwei Metern und der Schulterbreite von etwa anderthalb schien mit ihm nicht gut Kirschen essen. Doch er bemühte sich, sich so behutsam wie möglich zu bewegen und die anderen Teilnehmer der Grubenfahrt nicht unnötig zur Seite zu drängen.

Einer der wenigen Tefroder in der Gruppe war in ein Gespräch mit einem anderen Tefroder vertieft, machte einen Ausfallschritt und trat dem Wasserstoffatmer bewusst in den Weg.

Der Maahk zögerte kurz und blieb stehen.

Der Tefroder wartete wesentlich länger, als eigentlich nötig war, und tat dann so, als hätte er das massige Geschöpf hinter sich erst da bemerkt. Er trat einen Schritt zur Seite und ließ den Maahk passieren.

Tefroder und Maahks ... Obwohl Andromeda groß genug für beide Völker ist und sie sich als Wasserstoff- und Sauerstoffatmer sowieso nicht in die Quere kämen, sind die Spannungen zwischen ihnen nicht zu übersehen. Selbst heute noch, Jahrtausende nach dem großen Krieg.

Rhodan spielte kurz mit dem Gedanken, einzugreifen und dem Maahk zu versichern, dass er ein vollwertiges Mitglied ihrer Gruppe war, ja sogar ein geschätzter Anführer, verzichtete dann aber doch darauf. Er wollte kein unnötiges Aufsehen erregen.

Zumal er bezweifelte, dass die Beteuerung eines unbedeutenden Mitläufers den Wasserstoffatmer auch nur im Geringsten interessierte.

»Worauf warten wir?«, sagte der Tefroder verächtlich. »Gehen wir! Es ist nicht mehr weit bis zum Fahrstuhl. Die Hyperkristalle warten darauf, dass wir sie abbauen.«

Rhodan setzte sich wieder in Bewegung.

Er atmete schwer. In der Grube herrschten wirklich keine angenehmen Bedingungen. Es war heiß und stickig, und je tiefer sie sich hinabarbeiteten, desto schwerer fiel ihm das Atmen.

Er ließ den Blick über ein anderes Gesicht in ihrer Gruppe gleiten, wie so oft seit ihrem Aufbruch. Es war ihm von Anfang an bekannt vorgekommen, doch selbst wenn dem nicht so gewesen wäre, hätte er sich der Faszination, die es ausstrahlte, nicht entziehen können.

Es war ein beeindruckend hübsches Gesicht.

Die Frau mochte etwa 35 Jahre alt sein, hatte dunkles Haar, dunkle Brauen und fast noch dunklere Augen. Auch ihr Teint war dunkel, wie es für eine Tefroderin nicht unüblich war.

Dieses Gesicht ... strahlte etwas aus.

Die Unbekannte bemerkte, dass er sie anstarrte.

Schon wieder.

Sie drehte sich zu ihm um und blieb stehen, musterte ihn ihrerseits fragend.

Rhodan schätzte, dass sie 1,70 Meter groß war. Sie wirkte auch in dem SERUN aus den Beständen der BJO BREISKOLL, den sie seltsamerweise trug, bis in die letzten Fasern ihres Körpers durchtrainiert.

»Lyu-Lemolat«, stellte sie sich vor. »Kennen wir uns?«

Rhodan öffnete den Mund ... und schloss ihn wieder. Wortlos schüttelte er den Kopf.

»Das hätte mich auch gewundert.« Sie lächelte schwach. »Daran könnte ich mich bestimmt erinnern.«

Dann drehte sie sich wieder um, ließ ihn einfach stehen und ging weiter.

Rhodans Herz pochte heftig.

Was war denn das?, fragte er sich. Flirtet sie etwa mit mir?

Zumindest hatte sie ihn zur Kenntnis genommen. Und das nicht erst, nachdem er sie erneut so lange angestarrt hatte. Er musste ihr schon zuvor aufgefallen sein.

Das war ihm seit langer Zeit nicht mehr passiert. Er konnte sie nicht richtig einschätzen, und in ihrer Gegenwart kam er sich vor wie ein dummer Schuljunge, dessen Hormone geradewegs durch die Decke schossen.

Er schluckte schwer.

Der Maahk vor ihm blieb stehen und breitete die Arme aus. In dem schmalen Gang kam nun niemand mehr an ihm vorbei.

»Überprüft eure Ausrüstung!«, sagte er. »Die Notfall-Sauerstoffflaschen, den Sitz des Kanisters. Den Schaber und die Lichtwaage. Die Grube verzeiht kein Versagen, auch nicht das eines Geräts.«

Aus dem Augenwinkel musterte Rhodan den Tefroder, der den Maahk vor wenigen Sekunden schikaniert hatte. Er rechnete halbwegs damit, dass der Humanoide die Anweisung ignorierte oder sich spöttisch darüber äußerte, doch dessen Bedürfnis nach Konflikten schien gestillt zu sein. Gleichmütig befolgte er die Anweisung des Wasserstoffatmers und untersuchte seine Geräte auf ihre Funktionstüchtigkeit.

Auch Rhodan nahm sich eines nach dem anderen vor. Er hoffte, dass er noch immer in der Menge schwamm und keinen Argwohn erregte. Schließlich kam er aus der Milchstraße, aus einer Galaxis, die von den Völkern Andromedas offiziell unter Quarantäne gestellt worden war. Andromeda schirmte sich zusehends gegen die Milchstraße ab. Dieser Schirm umfasste aber nicht die vorgelagerte Zwerggalaxis Cassiopeia, die die Tefroder Valotio nannten.

Es waren fast lächerlich simple Instrumente, die man ihm zur Verfügung gestellt hatte. Sauerstoffflaschen für eventuelle Notfälle, die in einem Bergwerk jederzeit eintreten konnten. Es gab Hunderte von Möglichkeiten, auf die sie vorbereitet sein mussten: Schachteinbrüche, Luftmangel und Explosionen waren nur einige davon.

Der Kanister enthielt Geräte, die ihm vielleicht das Leben retten würden, sollte es zu solch einem Notfall kommen. Geräte, die den Anzug zumindest für eine Weile funktionsfähig halten würden. Rhodan hatte versucht, ihn zu öffnen, war aber gescheitert. Er war zu gut gesichert; die eigentlichen Besitzer der Kanister wollten sich nicht in die Karten sehen lassen und ihre Geheimnisse für sich behalten. Wissen war Macht, und das galt unter Tage mehr denn je.

Den Schaber würde er benötigen, sobald seine Gruppe eine Ader mit Hyperkristallen entdeckte. Diese Kristalle waren überaus wertvoll; selbst eine winzige Beschädigung würde hohe Verluste mit sich bringen. Dieses Werkzeug diente zur Feinarbeit. Es schabte energetisch nichtkristalline Substanzen ab und zerstrahlte sie behutsam, was eine beträchtliche Hilfe bei der Freilegung der Adern war.

Und dann die Lichtwaage. Ahh, ein Ausbund an Hightech! Sie maß automatisch die Qualität der gewonnenen Kristalle, sozusagen das Licht in ihnen. Die Bezeichnung kam Rhodan sowohl poetisch als auch passend vor.

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Illustration: Swen Papenbrock

Sie gingen weiter.

Der Maahk gab nun das Tempo vor, und es fiel Rhodan nicht leicht, mit ihm Schritt zu halten. Das Licht der Grubenlampen, die an den Gangwänden angebracht waren, wurde immer trüber und diffuser.

Verstohlen schaute er wieder zu der Tefroderin hinüber. Er war sich mittlerweile sicher, dass er sie schon einmal gesehen hatte, und das, bevor sie den Abstieg begonnen hatten. Sie war und blieb ein Rätsel für ihn, obwohl dieses Gefühl der Vertrautheit immer stärker wurde.

Oder vielleicht gerade deshalb. Er musste unbedingt versuchen, mehr über sie herauszufinden.

Sie erreichten den Aufzug. Er bestand aus einer geräumigen Kabine mit alten, klappernden Gitterwänden, die ein schepperndes Geräusch von sich gaben, als der Maahk sie mit beiden Händen aufzog.

Rhodan äugte misstrauisch in den großen Raum dahinter, doch ihm blieb keine Wahl. Er hatte sich entschieden und wollte an dem einmal gefassten Entschluss nicht rütteln, auch wenn der Lift aufgrund der primitiven Bauweise und seines Zustands größtes Unbehagen in ihm auslöste.

Zögernd betrat der Terraner die Kabine, deren Gitter der Maahk ungerührt aufhielt. Der Wasserstoffatmer wartete, bis alle Angehörigen seiner Gruppe in die altersschwach wirkende Konstruktion gegangen waren, folgte ihnen dann und zog die Gittertür wieder zu.

Ratternd bewegte sich die Aufzugskabine.

Rhodan hatte den Eindruck, er geradewegs in die Eingeweide des Planeten befördert zu werden. Durch die Lücken im Gitter sah er nur die schmutzig braune Wand des Schachts, in den sie hinabfuhren. Es wurde immer wärmer und stickiger.

Die Fahrt schien ewig zu währen. Er fragte sich, auf welche Tiefe sie gebracht wurden.

 

*

 

Mit einem durchdringenden Knirschen hielt die Kabine endlich an. Der Maahk öffnete das Gitter, und Rhodan trat mit den anderen hinaus in einen schmalen Stollen, der nur diffus erleuchtet war. Wenige schwache, in weitem Abstand voneinander angebrachte Deckenleuchten spendeten lediglich spärliches Licht, das diesen Namen kaum verdiente. Die Dunkelheit des Planeteninneren weigerte sich beharrlich, einer künstlichen Illumination zu weichen, und kämpfte um jeden Zentimeter, den sie für sich behaupten konnte.

Rhodan kniff die Augen zusammen. Mit einiger Mühe erkannte er gar nicht so weit entfernt ein paar seltsame Wesen, die auf sie zu warten schienen. Es waren niedrige, gedrungene Kreaturen, die ihn an übergroße Schildkröten erinnerten. Sie standen wie an einer Schnur aufgereiht lethargisch herum, bis eines von ihnen die Neuankömmlinge bemerkte und ihnen den Hals entgegenreckte.

So etwas wie Unruhe oder Erregung überkam die Geschöpfe. Sie gaben dumpfe Geräusche von sich, die Rhodan gar nicht an die fauchenden Zischlaute erinnerte, die Schildkröten normalerweise erzeugten, indem sie durch schnelles Zurückziehen des Kopfes Luft ausstießen. Vielmehr fühlte er sich an das Blöken von Schafen erinnert.

Der Maahk trieb die Angehörigen seiner Gruppe mit ungeduldigen Gesten durch den langen, flachen Stollen voran, hin zu den Tieren.

Erst da bemerkte Rhodan, dass die schildkrötenartigen Wesen von einem weiteren Wasserstoffatmer bewacht oder behütet wurden.

Sie erreichten die Tiere. Sie verströmten einen strengen, moschusartigen Geruch, den Rhodan an sich nicht als unangenehm empfand, höchstens in seiner Intensität, die alle anderen Eindrücke, die die Nase ihm normalerweise vermittelte, gnadenlos überdeckte.

»Worauf wartet ihr?«, bellte ihr Anführer.

Der in den Grubenhelm eingebaute Translator übertrug nicht nur die Bedeutung seiner Worte, sondern auch seine Stimmung. Der Maahk wirkte gereizt; die Grubenfahrt schien wesentlich mehr Zeit beansprucht zu haben, als er eigentlich dafür eingeplant hatte, und ihm eindeutig viel zu lange zu dauern.

»Du meinst ...«, setzte Rhodan zögernd an.

Der Maahk schob ihn wortlos zu den Tieren. »Nun steig schon auf! Der Konduktor wartet!«

Rhodan taumelte zu den riesigen Schildkrötenartigen. Der Wasserstoffatmer, der ihn dort erwartete, war kaum zarter besaitet, packte ihn mit den beiden tentakelförmigen Armen und stieß ihn zu einem der Wesen.

Mühsam gelang es Rhodan, das Tier mithilfe von Steigeisen, die an einem sattelähnlichen Aufsatz mit tief fallenden Seitentaschen angebracht waren, zu besteigen und sich in den Sattel zu hocken.

Der Maahk wartete, bis auch die anderen aus der Gruppe herankamen, und wies ihnen Tiere zu. Rhodans Kollegen hatten mitbekommen, wie grob der Wasserstoffatmer mit ihm umgegangen war, und beeilten sich, den Anweisungen nachzukommen. Mehr oder weniger unbeholfen stiegen sie auf die Reittiere.

Nachdem alle ihren Platz gefunden hatten, schwang sich der Maahk, der sie hierhergeführt hatte, erstaunlich behände auf das vorderste Reittier, ergriff die Zügel und rief laut einen Befehl. Sofort setzte das Tier sich in Bewegung.

Mit einer Geschwindigkeit, die Rhodan dem schildkrötenartigen Wesen niemals zugetraut hätte, preschte es los. Seine massigen Beine trugen es durch dunkle, schmale Gänge, die kaum hoch genug waren für die Tiere und ihre Reiter.

Erneut fragte Rhodan sich, warum so viele Ghutawen zum Einsatz kamen. Ihre Größe machte sich nun negativ bemerkbar. Sie mussten ihre Körper krümmen und sich eng an die Sättel und die Rücken der Tiere schmiegen, um nicht in Berührung mit der Stollendecke zu kommen und abgeworfen zu werden.

Rhodan griff nach den Lederschnüren des Zaumzeugs und zerrte daran, doch das Geschöpf reagierte nicht. Es folgte dem Maahk, der offensichtlich das Leittier der kleinen Herde ritt.

Der Gang fiel steil ab. Immer tiefer führte der wilde Ritt in die Grube, immer schummriger wurde das Licht, immer schwerer die Luft. Ein starker Geruch nach Metall überlagerte die Ausdünstung seines Reittiers.

Rhodan fragte sich, ob er aus eigener Kraft zurück an die Oberfläche finden würde, aber eigentlich dürfte das kein Problem sein. Er musste immer nur aufwärts laufen.

Falls er die Gelegenheit dazu bekam ...

Der Maahk vor ihm zügelte sein Reittier, und es lief langsamer. Nach ein paar Sekunden erkannte Rhodan den Grund dafür. Der anstrengende Ritt hatte sie zu einer großen Grotte geführt, die Rhodan jedoch genauso eng und stickig vorkam wie der Gang.

Der Terraner sah eine Gestalt, die auf einem Stein hockte, der eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Amboss hatte. Den Kopf hatte sie auf die rechte Hand gestützt, die linke ruhte auf ihren Knien. Aufgrund der beiden Gelenke wirkten die Beine unnatürlich abgespreizt.

Es war ein Ghutawe. Ein Ghutawe, der geradezu generisch aussah, als müsste er seine Spezies in einem Lehrholo vertreten, ein Ghutawe wie aus dem Bilderbuch ohne individuelles Merkmal.

Offenbar hatte er auf sie gewartet. Er schien in wichtige Gedanken vertieft zu sein.

Er trug ein weites Gewand, an dessen Saum zahlreiche Kordeln hingen. Als er sie bemerkte, hob er den Kopf und stand auf, wodurch sie ins Pendeln gerieten und leise, klackende Geräusche erzeugten.

Seine Bekleidung erinnerte Rhodan entfernt an ein tefrodisches Schlafgewand, wie es in Andromeda bei diesem Volk üblich war. Diese ornamentierten Kutten reichten von den Schultern bis zum Boden und bestanden größtenteils aus hässlichen grünen und roten Brokatstoffen mit goldenen Stickereien. Aufgeplusterte Kappen, die sie schief auf den Köpfen trugen, komplettierten das Bild.

Rhodan fand, dass die Tefroder in ihnen oft aussahen wie Idioten.

»Ich bin Konduktor Wallwen«, sagte der Ghutawe. »Machen wir uns an die Arbeit.«

2.

Auf ins Große Haus!

BJO BREISKOLL

 

Shema Ghessow zog die Brauen hoch und betrachtete Gucky verwirrt. So hatte sie den Mausbiber bisher nie erlebt. Unablässig umkreiste er den Sessel der Kommandantin. Wenn das noch lange so weiterging, würde er eine Art Graben in den Boden der Zentrale wandern.

»Was habe ich gesagt?«, fragte er schnaufend in die Runde. »Wieder und wieder, bis ich es selbst nicht mehr hören konnte? ›Geh nicht ohne mich, Perry!‹ Und was ist passiert? Genau!«

»Ja, du hast es gesagt«, bestätigte Kommandantin Oona Zocalo. »Immer und immer wieder. Also dann. Und der Herr Expeditionsleiter wollte einfach nicht auf dich hören!«

Die Deponentin – wie sie aufgrund ihrer Paragabe, sich und andere gewissermaßen in eine Hyperraumnische auszulagern, genannt wurde – gestattete sich ein leichtes Grinsen und warf Damar Feyerlant einen Blick zu. Sie hatte ebenfalls noch nie erlebt, dass jemand so mit dem Mausbiber umgesprungen war.