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Heinrich Seidel

Bunte Märchen

mit 32 farbigen Illustrationen

Heinrich Seidel

Bunte Märchen

mit 32 farbigen Illustrationen

Veröffentlicht im Null Papier Verlag, 2019
Herausgeber: August Scherl
EV: Scherl, Berlin, 1905
4. Auflage, ISBN 978-3-943466-62-1

null-papier.de/85

null-papier.de/katalog

Inhaltsverzeichnis

Ein Mär­chen als Ein­lei­tung

Ein Schel­men­mär­chen

Die Prin­zes­sin mit den En­ten­fü­ßen

Der Frosch mit dem Edel­stein im Kopf

Die Wun­der­bril­le

Nasch­kätz­chen

Die Ge­schich­te von: »Das – und weiß nicht was«

Tripp­stril­le

Schat­ten­dorf

Vom ein­fäl­ti­gen Büb­lein

Wir­bel­chens Wind­fahrt

Vom treu­en Schwes­ter­chen

Der Wet­ter­busch

Kas­par Knirps

Von der Freu­de

Die Was­ser­ni­xe

Pott­hen­ner­ken

Kö­ni­gin Mit­lei­de

Das glä­ser­ne Häu­schen

Die bei­den Jung­fern

Das Bet­tel-Ei

Kraus­kopf und Blond­här­chen

Der klei­ne Jun­ge und sein Pferd

Aber nicht wei­ter sa­gen

Inge, die Möwe

Die ver­lo­re­nen Flü­gel­chen

Die Schlaf­kö­ni­gin

Die wei­ße Eule

Dan­ke

Dan­ke, dass Sie sich für ein E-Book aus mei­nem Ver­lag ent­schie­den ha­ben.

Soll­ten Sie Hil­fe be­nö­ti­gen oder eine Fra­ge ha­ben, schrei­ben Sie mir.

 

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Ein Märchen als Einleitung

Bild: 085_Bunte_Maerchen_001.jpg

Mei­ne lie­ben Kin­der und sehr ver­ehr­ten großen Leu­te, ich will euch zu Be­ginn die­ses Mär­chen­bu­ches auch ein Mär­chen er­zäh­len, aber ein ganz be­son­de­res, das voll­kom­men wahr ist und sich erst vor Kur­zem zu­ge­tra­gen hat. Und nun passt auf, wie es geht:

Es war ein­mal ein Kö­nig von Pa­pier­land, der hat­te vie­le Mil­lio­nen Sol­da­ten, die wa­ren alle aus Blei und gin­gen auf den Köp­fen. Man schmier­te ih­nen die­se mit schwar­zer Far­be ein, und dann mar­schier­ten sie Tag und Nacht über end­lo­ses Pa­pier hin und hin­ter­lie­ßen gar selt­sa­me Spu­ren. Klu­ge Leu­te, die le­sen ge­lernt hat­ten, konn­ten dar­aus vie­les er­fah­ren; wie es mit Krieg und Frie­den und Han­del und Wan­del stand, und wie die Welt von ih­ren Kö­ni­gen mit­hil­fe der Blau­en, der Gel­ben, der Schwar­zen, der Ro­ten und der Gol­de­nen gar wei­se re­giert wur­de. Schö­ne Ge­schich­ten gab es dort zu le­sen, in de­nen die Tu­gend be­lohnt und das Las­ter be­straft wur­de, und wun­der­schö­ne Ge­dich­te, die sich hin­ten und vorn und in der Mit­te ganz an­mu­tig reim­ten, und wenn ei­ner wis­sen woll­te, was sich in der gan­zen Welt von Ho­no­lu­lu bis Nim­mer­satt oder von Syd­ney in Aus­tra­li­en bis Win­sen an der Al­ler er­eig­net hat­te, so stand es da schwarz auf weiß. Hat­te je­mand das Be­dürf­nis zu er­fah­ren, wo es die längs­ten Gi­raf­fen, die dicks­ten Kar­tof­feln, die ele­gan­tes­ten Bart­bin­den, die sü­ßes­ten Pfef­fer­ku­chen­her­zen gibt, so wur­de auch die­sem ge­hol­fen. Und dann die Bil­der! Wo in der Welt auch nur et­was ge­sch­ah, gleich wa­ren die großen Guck­ma­schi­nen mit den Glasau­gen da­hin­ter­her, und – schnapp! – gab es ein Bild, so­dass der Ve­suv bei sei­nem neues­ten Aus­bruch noch nicht aus­ge­spien hat­te, als er schon vor al­ler Welt auf dem Pa­pier stand. Als nun aber der Kö­nig ei­nes Ta­ges die Ar­bei­ten sei­ner flei­ßi­gen Bleisol­da­ten und der großen Guck­ma­schi­nen mus­ter­te, da ver­miss­te er et­was. Das, was heu­te neu und mor­gen schon wie­der alt ist, war in Fül­le vor­han­den; aber an dem, was sich nie und nim­mer be­ge­ben hat und dar­um auch nicht ver­al­ten kann, man­gel­te es. Das soll­te an­ders wer­den; er drück­te auf einen Knopf, und nach ei­ner kur­z­en Wei­le steck­te sein ers­ter Mi­nis­ter den Kopf in die Tür. »Mär­chen!«, sag­te der Kö­nig. »Sehr wohl!«, ant­wor­te­te der Mi­nis­ter und ver­schwand.

Nun ging also ein großes Schrei­ben aus in alle Welt an alle Schrift­ge­lehr­ten und Mär­chen­ma­cher und es wur­den für das bes­te Mär­chen drei Beu­tel, für das zweit­bes­te zwei Beu­tel und für das dritt­bes­te ein Beu­tel mit Gold­stücken aus­ge­setzt. Die drei­ßig bes­ten aber soll­ten ab­ge­druckt wer­den in ei­nem Bu­che mit schö­nen Bil­dern – gleich­sam wie in ei­nem Ehren­saal.

Ha! Da be­kam die Post zu tun, und alle Tage brach­te sie Mär­chen und Mär­chen und wie­der Mär­chen. Man­che Leu­te hat­ten schon wel­che fer­tig, die wa­ren na­tür­lich die Ers­ten auf dem Plan, und die an­de­ren sa­ßen und schrie­ben und pack­ten ein und schick­ten weg; nie­mals wohl, seit die Welt steht, sind so vie­le Mär­chen auf Rei­sen ge­gan­gen wie in die­ser Zeit. Zent­ner­wei­se ka­men sie denn alle, alt und jung, hoch und nied­rig, reich und arm, wa­ren da­bei; der Tür­mer auf dem Turm und der Schus­ter in sei­nem Kel­ler, von Fürs­ten bis her­un­ter zum Ar­bei­ter, von der vor­neh­men Dame bis zum Mäd­chen für al­les. Alle vier Fa­kul­tä­ten wa­ren an der Ar­beit, und selbst die Blü­te der Na­ti­on, die Her­ren Leut­nants und die Her­ren Re­fe­ren­da­re, schätz­ten es nicht zu ge­ring. Und man­che, die sonst nie der­glei­chen emp­fun­den hat­ten, fühl­ten, dass plötz­lich eine Mär­che­na­der in ih­nen auf­sprang und ge­heim­nis­voll zu rie­seln be­gann. So ging das Schick­sal sei­nen Lauf, und als die Zeit er­fül­let war, da zähl­te man 4025 Mär­chen.

Ihr lie­ben Kin­der und ihr sehr ver­ehr­ten großen Leu­te, wisst ihr auch, was das be­deu­tet: 4025 Mär­chen? Seht, in die­sem schö­nen Bu­che, das nun vor euch liegt, sind nur drei­ßig da­von ab­ge­druckt, und es ist doch schon ein statt­li­cher Band. Woll­te man nun alle 4025 ein­ge­sand­ten Mär­chen ab­dru­cken, so wä­ren dazu 134 sol­cher Bän­de wie die­ser hier not­wen­dig. Wisst ihr aber auch, was man in sol­che 134 Bän­de mit der sel­ben Schrift wie die­se, al­les hin­ein­dru­cken könn­te? Ich glau­be ihr ahnt es nicht; denn ich bil­de mir ein, dass ich zur­zeit der Ein­zi­ge bin, der das weiß. Die­se 134 Bän­de wür­den auf­neh­men kön­nen: zwei­mal Goe­thes sämt­li­che Wer­ke – und der hat doch am Ende nicht we­nig ge­schrie­ben; da­mit aber wä­ren sie noch lan­ge nicht bis zur Hälf­te ge­füllt. Wie­land war auch sehr flei­ßig und hat eben­so viel ge­schrie­ben wie Goe­the; aber auch sei­ne sämt­li­chen Wer­ke wür­den noch im­mer nicht ge­nü­gen, und man müss­te noch Jean Pauls, E. T. H. Hoff­manns und Fritz Reu­ters sämt­li­che Schrif­ten zu Hil­fe neh­men, um die­sen Sch­lund zu stop­fen. Aber auch dann blie­be noch im­mer ein Loch of­fen, und erst Schil­lers sämt­li­che Wer­ke wür­den das Ge­fäß zum Über­lau­fen brin­gen. Ist das nicht mär­chen­haft? Da­rum ist der Hel­den­mut, die Tat­kraft und der Feuerei­fer, mit de­nen sich die tap­fe­ren Män­ner der Vor­prü­fung, die sich mit rau­chen­den Köp­fen durch die­se tau­sen­de von Prin­zes­sin­nen mit gol­de­nen Haa­ren, die­se Scha­ren von Kö­ni­gen und Kö­ni­gin­nen, die­se Hee­re von Rie­sen, Zwer­gen, Gno­men, El­fen und Was­ser­ni­xen durch­ge­ar­bei­tet ha­ben, nicht ge­nug zu prei­sen. Am meis­ten aber ist es zu be­wun­dern, dass sie nicht in den Zau­ber­wäl­dern ste­cken ge­blie­ben sind, denn in die­sen Mär­chen ka­men so vie­le gräu­li­che, furcht­ba­re und der mensch­li­chen Ge­sund­heit un­zu­träg­li­che Zau­ber­wäl­der vor, dass man das gan­ze Fest­land un­se­res Erd­balls hät­te da­mit be­de­cken kön­nen. Aber die­se hel­di­schen Män­ner ha­ben es ge­schafft und sind, wie ich hof­fe, auch jetzt noch alle am Le­ben. Sie konn­ten schließ­lich den sie­ben Preis­rich­tern hun­dert aus­ge­wähl­te Mär­chen zur Schluss­prü­fung über­ge­ben.

Fast in je­dem rich­ti­gen Mär­chen kommt nun auch eine Kö­ni­gin vor, und also fehlt sie auch in die­sem wah­ren Mär­chen nicht; denn un­ter den Preis­rich­tern saß sie, eine ganz wirk­li­che Kö­ni­gin. Aber noch viel mär­chen­haf­ter war es, was nun ge­sch­ah; un­ter all den klu­gen und ge­lehr­ten Her­ren und vor­neh­men und ge­bil­de­ten Da­men, die ihre duf­ten­den oder prun­ken­den Mär­chen­sträu­ße zur Schau tru­gen, kam mit schwe­ren Schritt ein ein­fa­cher Ar­bei­ter da­her, der trug in sei­ner schwie­li­gen Faust einen Busch aus blü­hen­dem Hei­de­kraut, auf dem mit Per­len­schim­mer und Dia­man­tenglanz der Tau fun­kel­te. Und sie­he da – es war kei­ne Fra­ge: Ihm ge­bühr­te der Preis!

Und so ge­sch­ah es, dass das Mär­chen vom Aschen­brö­del, vom Al­ler­lei­rauh oder vom dum­men Hans hier wie­der le­ben­dig wur­de und der Arme, Un­schein­ba­re und Über­se­he­ne glän­zend den Sieg ge­wann. Die al­ten gu­ten Mär­chen blei­ben ewig neu.

Hein­rich Sei­del

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Ein Schelmenmärchen

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Von Eu­gen Berg­mann

Vor Zei­ten leb­te ein­mal ein jun­ger, der­ber Bau­er, der kei­nen grö­ße­ren Her­zens­wunsch hat­te, als ein Ka­va­lier zu wer­den und eine Prin­zes­sin zur Frau zu be­kom­men. Wenn er sei­ne Schwei­ne zum Ver­kauf in die Stadt trieb und da­bei in Samt und Sei­de ge­klei­de­te Her­ren sah, wie sie hoch zu Ross oder in präch­ti­gen Fuhr­wer­ken stolz an ihm vor­über­rit­ten und vor­über­fuh­ren, fraß ihm der Neid fast das Herz ab, und er dach­te hin und her, auf wel­che Wei­se er es ih­nen wohl gleich­tun kön­ne. Aber er war arm, hat­te nur ein klei­nes Häu­schen mit we­nig Acker­land, und zur Aus­füh­rung sei­ner tö­rich­ten Wün­sche war nicht die ge­rings­te Aus­sicht vor­han­den. Bis in sei­ne Träu­me hin­ein ver­folg­te ihn die­ses Ver­lan­gen, und oft sah er sich sel­ber mit Fe­der­hut und Spit­zen­kra­gen am Hofe des Kö­nigs ein­her­stol­zie­ren, und da gab es mor­gens ein üb­les Er­wa­chen, wenn solch schö­ne Bil­der in ei­tel Ne­bel und Dunst zer­flos­sen. Dann ging er tags­über ein­her wie ei­ner, dem der Ha­gel sein Wei­zen­feld zer­schla­gen, schnauz­te je­den an, der ihm in den Weg kam, und zer­mar­ter­te sein ar­mes Hirn mit Ge­dan­ken, wie er wohl zu dem nö­ti­gen Gel­de kom­men kön­ne. War dies doch das Ein­zi­ge, was ihm, sei­ner An­sicht nach, dazu fehl­te, der feins­ten Ka­va­lie­re ei­ner zu wer­den. Sei­ne Nach­barn, de­nen er manch­mal sein Herz aus­zu­schüt­ten pfleg­te, woll­ten sich tot­la­chen über sein när­ri­sches Seh­nen, spot­te­ten über ihn, wo sie konn­ten, und sag­ten mit La­chen: »Wenn der Esel die Lau­te schlägt, ist er noch lan­ge kein Künst­ler.«

Aber das half al­les nichts.

Als er nun ei­nes Ta­ges wie­der mür­risch und ver­dros­sen hin­ter sei­nem Pflu­ge ein­her­ging und der schö­nen Got­tes­welt auch nicht den ge­rings­ten Blick schenk­te, hör­te er plötz­lich, wie die Pflug­schar mit Klir­ren an einen Ge­gen­stand stieß, und da er sich flu­chend bück­te, um den ver­ma­le­dei­ten Stein aus dem Wege zu räu­men, ge­wahr­te er einen an­ge­ros­te­ten, großen, ei­ser­nen Topf im Erd­reich. Der war so schwer, dass er ihn kaum he­ben konn­te; und als er den De­ckel lüf­te­te, da – wer be­schreibt sei­nen freu­di­gen Schreck! – fiel ihm die Pfei­fe aus dem Mun­de, und die Bei­ne be­gan­nen ihm zu zit­tern: Bis an den Rand war der Topf mit Du­ka­ten ge­füllt, die so neu und blank aus­sa­hen, als kämen sie eben aus des Kai­sers Schatz­kam­mer.

Bald je­doch er­hol­te sich das Bäu­er­lein, dass sich so un­ver­mu­tet vor das Ziel sei­ner Her­zens­wün­sche ge­stellt sah, schlug einen Pur­zel­baum vor Ver­gnü­gen und brach­te dann sei­nen Schatz in si­che­ren Ge­wahr­sam.

An­de­ren Ta­ges füll­te er sich die Ta­schen mit den blin­ken­den Gold­füch­sen und ging in die Stadt, wo er sich gleich den vor­nehms­ten La­den aus­such­te.

»Hal­lo, Herr Kauf­mann«, schrie er, »nun rückt mal her­aus mit dem Feins­ten, was Ihr habt und was zum An­zug ei­nes vor­neh­men Ka­va­liers ge­hört! Nichts soll mir zu teu­er sein, und das Bes­te wer­de ich ge­ra­de gut ge­nug fin­den.« Da­bei warf er eine Hand­voll Du­ka­ten auf den Tisch, da­mit der Kauf­mann gleich wis­se, wor­an er sei, und nicht am Ende den­ke, es mit ei­nem Auf­schnei­der und Hun­ger­lei­der zu tun zu ha­ben.

Und nun ward her­bei­ge­schleppt, was es nur Kost­ba­res gab: Sei­den­zeug aus Lyon, Spit­zen aus Bra­bant, Samt­ge­we­be aus Per­si­en und tau­sen­der­lei an­de­re Din­ge, wie sie sich nur ein vollen­de­ter Galan wün­schen kann. Der Kauf­mann, der sich auf sei­ne Leu­te ver­stand, merk­te bald, was die Glo­cke ge­schla­gen hat­te, war mit sei­nem Rat hilf­reich zur Hand, und bald wa­ren An­zü­ge aus­ge­wählt, de­ren sich kein Kö­nig zu schä­men brauch­te. Wie sich un­ser Bau­er nun in dem großen Pfei­ler­spie­gel neu aus­staf­fiert be­trach­te­te, woll­te er kaum glau­ben, es bli­cke ihm aus dem Gla­se der sel­be Mensch ent­ge­gen, der ges­tern noch hin­ter dem Pflu­ge her­ge­gan­gen war: So statt­lich prä­sen­tier­te er sich in dem vio­let­ten Samt­wams mit den Gold­sti­cke­rei­en und dem Hut mit dem wal­len­den Fe­der­busch.

»Bei al­len Hei­li­gen«, sag­te der schlaue Kauf­mann voll er­heu­chel­ter Be­wun­de­rung, »wenn ihr nicht ei­nem Prin­zen von Ge­blüt gleich seht, will ich mich hän­gen las­sen. Eine Fürs­tin muss zu­min­des­ten Eure Frau wer­den.«

Der Bau­er blin­zel­te ihn wohl­ge­launt von der Sei­te an und ent­geg­ne­te mit über­le­ge­nen Lä­cheln: »Ein biss­chen hö­her hin­auf, gu­ter Freund, wür­de mir bes­ser zu Ge­sicht ste­hen.«

»Frei­lich, frei­lich«, be­eil­te sich der Han­dels­mann zu ant­wor­ten, »un­se­re Kö­nigs­toch­ter wäre Euer ge­ra­de wür­dig. Aber« –

»Aber? Was soll es mit dem Aber?«, forsch­te der neu­ge­ba­cke­ne Ka­va­lier miss­trau­isch. »Ei­nen fei­ne­ren und rei­che­ren Ge­mahl fin­det sie eben nicht. Habt Ihr mir nicht selbst vor we­ni­gen Mi­nu­ten ver­si­chert, ein solch kost­ba­rer Zo­bel, wie er mei­nen Man­tel ziert, sei nicht ein­mal im Be­sitz des Kö­nigs?«

»Das stimmt schon wer­ter Herr, und doch« – hier kraul­te sich der Kauf­mann vor Ver­le­gen­heit hin­ter den Ohren – »ich weiß nicht, wie ich es gleich sa­gen soll … seht … nun, Ihr wisst doch: mit den Ka­va­lie­ren ist es wie mit den Blu­men, je kost­ba­rer, je sel­te­ner ei­ner ist, de­sto fei­ner ist der Duft, der ihn um­gibt. Nun hat un­se­re Prin­zes­sin eine so fei­ne Nase, dass sie es so­fort her­aus­riecht, mit wem sie es zu tun hat, und ei­nem Her­zog von ei­nem Gra­fen auf zehn Schritt un­ter­schei­det. Der Bau­ern­ge­ruch aber sei ihr ganz be­son­ders zu­wi­der, er­zählt man, sie wit­te­re ihn schon aus der Fer­ne und sei hoch­mü­tig wie eine ech­te Prin­zes­sin.«

»Was Ihr sagt!«, hub das Bäu­er­lein et­was klein­laut an. »Lässt sich da­ge­gen nichts tun? Gibt es kein Mit­tel, kei­ne Arz­nei, sich von die­sem bö­sen Duft zu be­frei­en?«

»O ge­wiss«, und der Kauf­mann lä­chel­te ge­heim­nis­voll, »man braucht nur Dok­tor Ar­ta­ba­tus in der Stadt Mel­le­sund auf­zu­su­chen. Der re­pa­riert es!«

Da ver­ließ ihn mit ei­nem Dank für die gü­ti­ge Aus­kunft der Bau­er, kauf­te sich einen stark­kno­chi­gen Gaul, füll­te sich aber­mals alle Ta­schen mit Du­ka­ten, er­frag­te sich die Lage der Stadt Mel­le­sund und mach­te sich auf den Weg zu Dok­tor Ar­ta­ba­tus.

Nach­dem er drei Tage und drei Näch­te ge­rit­ten war, er­reich­te er die ge­such­te Stadt, de­ren Tür­me und Zin­nen ihm schon von Wei­tem in der auf­ge­hen­den Son­ne ent­ge­gen­fun­kel­ten. Er lies sich von ei­nem Kna­ben bis an das Haus des Dok­tors Ar­ta­ba­tus füh­ren, denn des­sen Name war be­kannt bei Alt und Jung, und bat um Ein­lass.

Vor ei­nem Herd­feu­er ste­hend, auf dem so­eben ein neu­es Le­bens­eli­xier bro­del­te, emp­fing ihn der be­rühm­te Mann. Mit sei­nen düs­te­ren Au­gen sah er ihn eine Wei­le for­schend an, als woll­te er bis auf den Grund sei­ner See­le le­sen, und da das Bäu­er­lein sein An­lie­gen in schön klin­gen­den Re­dens­ar­ten vor­zu­brin­gen such­te, un­ter­brach er ihn barsch und sag­te ohne Fe­der­le­sen:

»Spar dei­ne Wor­te. Nur ein Stüm­per hört die Lei­dens­ge­schich­te sei­nes Pa­ti­en­ten. Ich weiß, was dir fehlt. Du möch­test aus ei­nem Bau­ern ein Ka­va­lier wer­den. Ver­steh es auch, denn so taugst du frei­lich noch nicht dazu. Ge­macht kann es wer­den, aber die Sa­che kos­tet Geld.«

Der Bau­er schüt­te­te, ohne ein Wort zu sa­gen, den In­halt sei­ner Ta­schen auf den Tisch, und als der ge­lahr­te Herr das glei­ßen­de Häuf­lein vor sich sah, nick­te er be­frie­digt, strich es ein und sprach:

»Das langt, und mer­ke nun auf, was ich Dir sage. Ihr Bau­ern habt ein dick­flüs­sig, un­ge­sund Blut, das trä­ge sei­nes We­ges rollt und des­halb zu al­len fei­nen Ge­dan­ken, zier­li­chen Re­dens­ar­ten, lie­bens­wür­di­gen Ma­nie­ren, wie sie in Sch­lös­sern und auf Edel­hö­fen zu Hau­se sind, gänz­lich un­ge­eig­net ist. Auch fehlt die Wür­ze, die Süße, der Duft. Du musst des­halb in ei­ner sü­ßen Tun­ke um­ge­kocht wer­den; die wohl zu­be­rei­te­te Flüs­sig­keit muss durch die Po­ren dei­ner Haut drin­gen und eine völ­li­ge Än­de­rung dei­ner Säf­te her­bei­füh­ren. Die Kur ist, von der Hand ei­nes Meis­ters ge­lei­tet, ohne Ge­fahr. Hal­te dich be­reit, ich rüs­te dir so­gleich das Nö­ti­ge.«

Er rief nach sei­nen Hand­lan­gern, ließ einen rie­sen­großen Kes­sel über den Koch­herd sei­ner Stu­dier­stu­be stel­len, und wohl­ge­sie­gel­te Fla­schen, Töp­fe, Kru­ken mit In­schrif­ten in chi­ne­si­schen Let­tern so­wie selt­sam ver­schnür­te Pa­cken, von de­nen ein­zel­ne mit ei­nem To­ten­kopf be­klebt wa­ren, wur­den her­ein­ge­bracht.

Dann entließ er sei­ne Heil­ge­hil­fen und ging an die Zu­be­rei­tung des wun­der­kräf­ti­gen Was­sers.

»Dies hier ist Ho­nig vom Ber­ge Hy­met­tos in Grie­chen­land«, sag­te er und schüt­te­te den In­halt ei­nes großen Top­fes in den Kes­sel. »Das gibt die Süße und ist das Fun­da­ment, auf dem sich al­les grün­det und auf­baut. Dies hier sind La­kritz­stän­ge­lein; dies Süß­holz, ge­ras­pelt, so der Zun­ge eine lieb­li­che Ge­len­kig­keit zu an­mu­ti­ger Rede ver­lei­hen; hier Fen­chel, Anis und Am­bra, die dem Geist Kraft und Zart­heit mit­tei­len; hier Ge­würz­nä­gel, Zimt und Rohr­zu­cker, die den Ge­len­ken zier­li­che Be­we­gun­gen ge­ben, und die Büch­se dort, ge­stem­pelt mit dem Sie­gel des Kai­sers von Chi­na, ent­hält das Köst­lichs­te, die Kro­ne des Gan­zen: Zi­bet, Mo­schus und La­ven­del. Das, in der rich­ti­gen Mi­schung, er­teilt dir den Duft des Ka­va­liers und ver­treibt jeg­li­chen Bau­ern­ge­ruch auf ewi­ge Zei­ten.«

Dem Bäu­er­lein wir­bel­te bei all den frem­den Na­men der Kopf, und stau­nend schau­te er den Han­tie­run­gen des Wei­sen zu, wäh­rend ein bläu­li­cher Dampf dem Kes­sel ent­stieg und das Ge­mach mit al­len Wohl­ge­rü­chen Ara­biens er­füll­te.

End­lich war al­les be­rei­tet, wie es sich ge­hör­te, und Dok­tor Ar­ta­ba­tus be­fahl dem Bau­ern, die Ge­wän­der ab­zu­le­gen und in den Kes­sel zu stei­gen. Ins Feu­er aber warf er noch ein paar mäch­ti­ge Schei­te, dass die Fun­ken wie klei­ne Ster­ne in die Höhe sto­ben.

»So«, sag­te er, »jetzt bleibst du so lan­ge dar­in sit­zen, bis du es merkst, wie dich die Süße lang­sam durch­dringt, wie sie die Blut­bahn hin­auf­steigt, und so­lan­ge du die Hit­ze ver­tra­gen kannst. Merk auf: je län­ger, je bes­ser; denn bleibt auch nur et­was der al­ten, bö­sen Bau­ern­säf­te zu­rück, so ge­rät die Süße in Gä­rung, wird herb und ran­zig, und die Kur bleibt ohne ge­wünsch­ten Er­folg.«

Pus­tend und schwit­zend saß der an­ge­hen­de Ka­va­lier in der Flüs­sig­keit, die mit je­der Se­kun­de hei­ßer und hei­ßer wur­de; er japs­te nach Luft, wenn ihn die Dämp­fe um­qualm­ten, ihm bei­ßend in Auge und Nase fuh­ren, ihm den Atem raub­ten, und wähn­te nicht an­ders, als dass sein letz­tes Stünd­lein ge­schla­gen habe.

»Hal­te aus«, trös­te­te der Arzt, »hal­te aus. Es kämp­fen jetzt die Geis­ter der Heils­kräf­te mit den un­rei­nen Geis­tern, so dir im Ge­blüt sit­zen; es kämpft die Süße mit dem Sau­ren; jetzt rückt Zi­bet vor, jetzt schwingt Am­bra das Schwert, und dort naht La­ven­del und bringt uns den Sieg.« …

End­lich, da es dem Bau­ern schi­en, er habe sei­nen letz­ten Atem­zug ge­tan, wink­te Ar­ta­ba­tus mit fei­er­li­cher Mie­ne: »Es ist ge­nug.«

Und halb tot ent­stieg er der sü­ßen Wun­der­tun­ke und schwur bei sich, die­se Kur zum zwei­ten Male nie mehr über sich er­ge­hen zu­las­sen. Doch schon in Bäl­de er­hol­te er sich, die Kräf­te kehr­ten schnell zu­rück, und schmun­zelnd schau­te der Meis­ter auf sein ge­lun­ge­nes Werk.

»Keh­re heim, mein Sohn. Ar­ta­ba­tus hat sich ein neu­es Lor­beer­reis in sei­nen Ehren­kranz ge­floch­ten; seit Lan­gem ist kein vollen­de­te­rer Ka­va­lier aus sei­ner Werk­statt her­vor­ge­gan­gen!«

Fröh­lich ver­ließ der Bau­er das Haus, er­stand sich gleich ein ed­les ara­bi­sches Ross, rüs­te­te es statt­lich aus mit pur­pur­nen Scha­bra­cken und gol­de­nen Steig­bü­geln und ritt aus den To­ren der Stadt Mel­le­sund den kür­zes­ten Weg in ra­schem Tra­be der Kö­nigs­burg zu.

Als er nun vor dem Por­ta­le des herr­li­chen Schlos­ses hielt, eil­ten ihm ge­schäf­ti­ge Die­ner ent­ge­gen. Der eine hielt ihm die Bü­gel, der zwei­te brei­te­te kost­ba­re Tep­pi­che vor sei­ne Füße, und der drit­te führ­te ihn die Trep­pe hin­auf in den Thron­saal, wo so­eben der Kö­nig und sei­ne Toch­ter Hof hiel­ten; denn man glaub­te nicht an­ders, als das zu den vie­len Prin­zen und Kö­nigs­söh­nen, die sich um die Hand der Prin­zes­sin Mur­mu­la be­war­ben, ein neu­er hin­zu­ge­kom­men sei.

Da saß nun un­ter rot­sam­te­nen Bal­da­chin auf sei­nem Thron der Kö­nig mit Zep­ter und Reichs­ap­fel in den Hän­den und ne­ben ihm die Prin­zes­sin Mur­mu­la. Ach, war die schön! In ih­ren schwar­zen Haa­ren glänz­ten Dia­man­ten und Per­len, und ihr Ge­wand war mit sil­ber­nen Stern­lein be­stickt, die fun­kel­ten wie die Ster­ne am blau­en Nacht­him­mel. Weil sie aber so gar hoch­mü­tig war und das Näs­chen im­mer steil in die Luft trug, muss­te Tag und Nacht ein Mohr einen Schirm über sie hal­ten, da­mit es ihr nicht in die Nase reg­ne. Nur ein ganz klein we­nig zog sie den Schna­bel und schnup­per­te nach rechts und nach links, als der frem­de Ka­va­lier vor sie hin­trat – doch roch sie nichts, weil Meis­ter Ar­ta­ba­tus sei­ne Sa­che ver­stan­den hat­te.

In zier­li­chen, wohl­ge­setz­ten Wor­ten – denn die La­kritz­stän­gel und das ge­ras­pel­te Süß­holz ta­ten ihre Wir­kung – trug nun der Bau­er sein An­lie­gen vor: wie er weit her sei, wie er von der Schön­heit der Prin­zes­sin ge­hört und nur noch den einen Wunsch habe, sie als sein ehe­lich Ge­mahl in die Arme zu schlie­ßen.

Nicht un­gern be­gann die Schö­ne sei­ner Rede zu lau­schen, denn er sah gar statt­lich aus, hat­te Saft und Kraft in sich und über­rag­te manch blas­ses Prinz­lein um Haup­tes­län­ge. Ja, aber nun ge­sch­ah et­was Un­vor­her­ge­se­he­nes; ein Ju­cken kam dem Bau­ern­sohn an, und ehe er sich des­sen ver­sah, kratz­te er sich, kräf­tig und tüch­tig, wie er es da­heim ge­wohnt war.

Da schnell­te das Näs­chen der Prin­zes­sin Mur­mu­la wie­der blitz­schnell in die Luft.

»Päh«, sag­te sie, »Bau­er bleibt Bau­er!«, und hoch­mü­ti­ger denn je schau­te sie zur Sei­te und hat­te auch nicht einen Blick mehr für den Er­kann­ten. Dem aber war zu­mu­te, als hät­te man einen Kü­bel eis­kal­ten Was­sers über ihm aus­ge­schüt­tet; denn ihm wäre nie auch im Traum nur der Ein­fall ge­kom­men, man krat­ze sich an Kö­nigs­hö­fen nicht, wenn man ir­gend­wo ein Ju­cken oder Ste­chen ver­spü­re.

Klein­laut schlich er aus dem Saal, von hun­dert spöt­ti­schen und scha­den­fro­hen Au­gen be­glei­tet, und still ritt er da­von, sei­nem Pfer­de dem Weg über­las­send, Verzweif­lung im Her­zen. Wohl tau­send Male ver­wünsch­te er im Geis­te den Dok­tor Ar­ta­ba­tus und wuss­te nicht aus noch ein; denn das stand fest in ihm, dass er ster­ben müs­se, wenn er Prin­zes­sin Mur­mu­la nicht er­wer­ben kön­ne.

Er ritt und ritt fünf Tage und fünf Näch­te und kam end­lich in die Stadt Ber­re­fast.

Wie er nun so in Ge­dan­ken die Haupt­stra­ße hin­ab­trab­te, we­der auf die Pa­läs­te zur Rech­ten und Lin­ken, noch auf die Men­schen, die die Bür­ger­stei­ge füll­ten, ein Auge warf, sah er plötz­lich ein Ge­fährt, mit sechs schnee­wei­ßen, rot­ge­zäum­ten Mauleseln be­spannt, ihm ent­ge­gen­kom­men. In dem Wa­gen saß ein Mann mit lan­gem, wei­ßen Bart, und sein schwar­zer Talar war mit selt­sam ge­heim­nis­vol­len Zei­chen be­setzt. Da die Men­ge ihn ge­wahr­te, ent­stand ein großer Auf­lauf, Müt­zen flo­gen in die Höh’, Tü­cher wur­den ge­schwenkt, und aus tau­send Keh­len er­scholl der be­geis­ter­te Ruf: »Heil dem Ma­gis­ter Per­pen­di­cu­lus, dem Stolz von Ber­re­fast!« Un­ser Be­trüb­ter er­wach­te aus sei­nem Ge­träu­me und frag­te den ers­ten bes­ten: »Sagt an, gu­ter Freund, was hat es mit die­sem Ma­gis­ter Per­pen­di­cu­lus auf sich?« »Ei«, ent­geg­ne­te der und maß ihn ein we­nig ver­ächt­lich, »Ihr seid wohl vom Mon­de ge­fal­len, dass Ihr nichts vom dem wisst, was der gan­zen Welt be­kannt ist? Meis­ter Per­pen­di­cu­lus ist der wei­ses­te Arzt der Erde, und Ber­re­fast ist stolz dar­auf, ihn zu be­sit­zen. Es ist kei­ne Krank­heit des Lei­bes und der See­le, die sei­ner Kunst wi­der­stän­de. Man er­zählt, dass Geis­ter ihm ge­hor­chen, dass er Tote er­we­cke und schon man­chen Stroh­kopf mit Weis­heit ge­füllt habe. Seht je­nes Haus dort mit den sechs er­ze­nen Säu­len und dem Tor aus schwar­zem Onyx: das ist der Wohn­sitz des Ma­gis­ters Per­pen­di­cu­lus, und habt Ihr was, so Euch das Herz be­drückt, ver­traut es ihm an, er schafft Rat.«

Eine klei­ne Wei­le nach­her klopf­te das Bäu­er­lein an die Onyx­pfor­te, die einen dump­fen Klang gab, und be­gehr­te von dem Moh­ren, der ihm öff­ne­te, zu dem Ma­gis­ter ge­führt zu wer­den. – In ei­nem fremd­ar­tig aus­staf­fier­ten Ge­mach, durch des­sen bun­te Schei­ben das Ta­ges­licht nur spär­lich und ge­dämpft her­ein­quoll, saß der wei­se Meis­ter vor ei­nem Per­ga­ment­band, auf des­sen ro­ten Blät­tern in Gold­schrift Mit­tel ge­gen jeg­li­ches Ge­bre­chen ge­schrie­ben stan­den, und blick­te erst auf, als der, so sei­nes Ra­tes und sei­ner Hil­fe be­durf­te, vor ihm stand.

Nie­der­ge­schla­gen be­rich­te­te der ver­un­glück­te Ka­va­lier, wie sich al­les zu­ge­tra­gen, wie trotz der sü­ßen Ab­ko­chung des Dok­tors Ar­ta­ba­tus die Prin­zes­sin den Bau­ern­ge­ruch ge­spürt, und wie er sich ein Leid an­tun müs­se, wenn Ma­gis­ter Per­pen­di­cu­lus kei­nen Aus­weg er­sin­ne.

Als der den Na­men »Ar­ta­ba­tus«, ge­hört, war ein ver­ächt­li­ches Lä­cheln über sein Ge­sicht ge­gan­gen, und nun hob er an: »Eure Sa­che steht so schlimm nicht, zu­mal Euch Euer gu­ter Stern vor die rich­ti­ge Schmie­de ge­führt hat. Fern sei es von mir, auch nur ein nach­tei­li­ges Wort über die Kunst mei­nes Kol­le­gen zu sa­gen; denn das ist un­ter uns Ärz­ten nicht Brauch; al­lein das eine kann ich nicht ver­heh­len: Sei­ne Metho­de ist gänz­lich ver­al­tet. Wer heut­zu­ta­ge noch sein Ver­trau­en auf die Mi­schung ver­schie­de­ner Stof­fe setzt, ist ein Esel. Seit den Zei­ten mei­nes Leh­rers, des großen Pa­ra­cel­sus, hat man für die Heil­wei­se des Hip­po­kra­tus, der Ar­ta­ba­tus blind er­ge­ben ist, nur noch ein mit­lei­di­ges La­chen. Sau­er müsst Ihr ge­kocht wer­den, sau­er, lie­ber Freund! Eine wohl­tu­en­de Säu­re muss Eu­rem über­ge­sun­den Bau­ern­blut zu­ge­führt wer­den ohne jeg­li­chen Zu­satz, ohne jeg­li­ches Ge­würz. Seht: Fürs­ten, Kö­ni­gen, Kai­sern hat die­se mei­ne Hand zur Ader ge­las­sen, und es ist mir noch kein Tröpf­chen Ka­va­liers­blut vor­ge­kom­men, das nicht säu­er­lich ge­duns­tet hät­te. Frei­lich – die rech­te Säu­re muss es sein, dar­an liegt es, dar­in be­steht das Ge­heim­nis. Und ein er­kleck­lich Sümm­chen wer­det Ihr her­ge­ben müs­sen, aber – für was ist was!«

Der Bau­er schüt­te­te ohne Wei­te­res den In­halt sämt­li­cher Ta­schen in ein Mäß­chen, das ihm der Ma­gis­ter vor­hielt und in dem er sein Ho­no­rar ein­zu­heim­sen pfleg­te. Per­pen­di­cu­lus rüt­tel­te es or­dent­lich fest, und da es bis an den Rand ge­füllt war, sprach er: »Es fehlt wohl noch um ei­nes Stroh­halms Brei­te an dem Üb­li­chen. Ich will es aber auch da­für tun, da mein Herz nicht am Ge­winn hängt.«

Dann führ­te er sei­nen Pa­ti­en­ten in ein kel­ler­ar­ti­ges Ge­lass, wo un­ter ei­nem ge­räu­mi­gen, sil­ber­nen Kes­sel eine blaue Flam­me koch­te, hieß ihn sich in das dar­in be­find­li­che Was­ser set­zen, und zog aus dem fal­ti­gen Ge­wan­de ein Kris­tall­gläs­lein, in dem eine hel­le Flüs­sig­keit blink­te, und goss nur we­ni­ge Trop­fen in den Kes­sel. Als­bald fing das Was­ser an sich zu kräu­seln und Bla­sen zu wer­fen, und ein sau­rer Dunst stieg aus ihm auf, wäh­rend der Ma­gis­ter mit ei­nem Bla­se­balg das Feu­er zu hel­le­rem Glü­hen an­zu­trei­ben be­gann. »Auf der höchs­ten Spit­ze des Hi­ma­la­ja wächst in ei­ner Fel­sen­spal­te das Kraut«, sag­te er, »mit dem der Vo­gel Phö­nix sein Nest aus­zu­füt­tern pflegt. Aus die­sem Kraut wird ver­mö­ge kunst­rei­cher De­stil­la­ti­on die­se Säu­re, so Euch not­tut, ge­won­nen.«

Der arme Schelm im Was­ser aber fing an, ganz ent­setz­li­che Ge­sich­ter zu schnei­den, denn pri­ckelnd und ät­zend fühl­te er die Säu­re in die Adern drin­gen, der Atem ward ihm fast ge­nom­men, und das Was­ser er­hitz­te sich blitz­schnell und schäum­te fast über den Rand des Be­häl­ters.

Je är­ger er aber stöhn­te und litt, de­sto ver­gnüg­li­cher wur­de der große Meis­ter.

»Vor­treff­lich, vor­treff­lich!«, ju­bel­te er und schlug sich mit der Hand an die Sei­te. »Die Kur schlägt an! Spürt Ihr es, wie all das böse Ge­würz, die lä­cher­li­che Sü­ßig­keit mei­nes Ge­nos­sen Euch in blau­en Wol­ken ver­lässt und wir­belnd zum Schorn­stein hin­aus­fährt? Merkt Ihr es, wie die Kral­len der Säu­re sich in die Zi­bet­kat­ze schla­gen und wie sie die letz­te Spur des Am­bra ver­nich­ten?«

»Lasst es ge­nug sein, Per­le der Wis­sen­schaft!«, jam­mer­te der im sil­ber­nen Kes­sel. »Ich glau­be, es ge­nügt … Ein bös Brau­sen hab ich in den Ohren, Feu­er­fun­ken tan­zen mir vor den Au­gen, und alle Ge­dan­ken mi­schen sich mir zu wir­rem Knäu­el … ich über­ste­he die Kur nicht, einen Ent­seel­ten fischt Ihr aus Eu­rer Brü­he!«

Doch der Ma­gis­ter drück­te ihn mit dem gol­de­nen Schaum­löf­fel, der ihm wie ein Schwert zur Sei­te hing, noch tiefer in die Flüs­sig­keit, häuf­te ihm den wei­ßen Schaum übers Haupt, al­so­dass er kein Glied rüh­ren konn­te und sei­ne See­le den Hei­li­gen be­fahl. Dann hob er ihn mit ei­nem Ruck aus der Säu­re, und es dau­er­te nicht lan­ge, da kehr­ten die Le­bens­geis­ter des Ar­men in dop­pel­ter Fri­sche wie­der; neue Kraft durch­glüh­te ihn, und als Ma­gis­ter Per­pen­di­cu­lus ihm nun einen Sil­ber­spie­gel vor­hielt, muss­te er zu­ge­ben, die Kur habe an­ge­schla­gen, das Mit­tel sei­nen Zweck er­reicht: So vor­nehm sah er aus, als reich­te er mit sei­nen Ah­nen bis in die graues­te Zeit zu­rück!

Da sich das Onyx­tor wie­der hin­ter ihm schloss, ritt er sporn­streichs heim, füll­te sich alle Ta­schen aber­mals mit blan­ken Gold­stücken, warb ein statt­li­ches Ge­fol­ge, das ihn an den Kö­nigs­hof be­glei­ten soll­te, und mach­te sich von Neu­em auf, um die Hand der Prin­zes­sin Mur­mu­la zu wer­ben.

Und es war wie­der wie das ers­te Mal. Als er vor dem Por­tal des Schlos­ses hielt, eil­ten ihm die Die­ner ent­ge­gen: der Ers­te hielt ihm den Bü­gel, der Zwei­te brei­te­te Tep­pi­che un­ter sei­ne Füße, und der Drit­te ge­lei­te­te ihn die mar­mor­nen Trep­pen hin­auf. Un­ter­ein­an­der aber flüs­ter­ten sie: »Das ist si­cher der er­war­te­te Prinz aus Mau­re­ta­ni­en, dem die sie­ben gol­de­nen Sch­lös­ser ge­hö­ren und des­sen Schatz­kam­mern bis an die De­cke mit Kost­bar­kei­ten ge­füllt sind.«

Im Thron­saal war­te­ten schon vie­le Prin­zen und Kö­nigs­söh­ne aus nah und fern auf das Er­schei­nen der Prin­zes­sin; die stan­den zu bei­den Sei­ten des Thro­nes, auf dass die Kö­nigs­toch­ter sich den Schöns­ten er­wäh­le, und zu den statt­lichs­ten ge­hör­te auch der Bau­er. End­lich er­tön­ten Fan­fa­ren und Trom­pe­ten, die Dop­pel­vor­hän­ge ei­ner Tür wur­den zu­rück­ge­schla­gen, und in glanz­vol­lem Zuge nah­te der Kö­nig und ne­ben ihm die Prin­zes­sin. Die aber war heu­te noch tau­send­mal schö­ner als das ers­te Mal. In ih­ren schwar­zen Haa­ren trug sie eine fun­keln­de Kro­ne, und ihr wei­ßes Kleid war mit Ro­sen be­stickt, aus de­ren Kel­chen die herr­lichs­ten Dia­man­ten blitz­ten. Nur das Näs­chen trug sie so hoch wie im­mer, doch sie schnup­per­te nicht ein­mal; denn Ma­gis­ter Per­pen­di­cu­lus hat­te selbst das letz­te Stäub­chen je­nes Ge­ruchs, der ihr so zu­wi­der war, in sei­ner Säu­re ge­tö­tet. Der Bau­er aber dach­te bei sich: »Wenn ich dich heu­te nicht ge­win­ne, du hold­se­ligs­te der Sterb­li­chen, so wäre es mir bes­ser, nicht auf der Welt zu sein.« Vor der Prin­zes­sin hüpf­te in mun­te­ren Sprün­gen ihr Wind­spiel, lief von ei­nem zum an­de­ren, ließ sich von die­sem glät­ten und je­nem, und setz­te sich end­lich dicht vor den Bau­er. Wie der aber den Hund sah, fiel ihm sei­ne Ju­gend ein. Da war es sein liebs­tes Ver­gnü­gen ge­we­sen, den Kat­zen in den Schwanz zu knei­fen, und wenn sie dann mi­au­end und fau­chend da­von­ge­fah­ren wa­ren, hat­te er sich den Ma­gen ge­hal­ten vor La­chen; an kei­nem Hun­de aber war er vor­über­ge­gan­gen, ohne ihm auf den Schwanz zu tre­ten, und hat­te im­mer sei­ne hel­le Freu­de dar­an ge­habt, wenn sie heu­lend das Wei­te such­ten. Und wie er so dar­über sann und sann, ver­gaß er Kö­nigs­kind und Hof­burg, Glanz und Um­ge­bung, hob lang­sam den Fuß und trat dem kö­nig­li­chen Hun­de nach­drück­lich auf den Schwanz. Das Hünd­chen, so bö­ser Hand­lung un­ge­wohnt, hub ein Ge­quiek an, als hät­te es sich auf hei­ßes Ei­sen ge­setzt, kniff den Schwanz ein und ras­te da­von wie vor dem Leib­haf­ti­gen, fuhr dem Ober­hof­meis­ter zwi­schen die Bei­ne, dass er schier zu Fall kam, und er­füll­te den gan­zen Saal mit sei­nem Ge­heul.

Da rich­te­te sich das Näs­chen der Prin­zes­sin Mur­mu­la fast ker­zen­ge­ra­de in die Höhe, und sie sprach, dass es durch den gan­zen Raum klang:


»Pä … Bau­er bleibt Bau­er –
Koch ihn süß oder sau­er!«

Sie wink­te ei­nem Kö­nigs­sohn und reich­te ihm die Hand hin, zum Zei­chen, dass sie ihn zum Ge­mahl er­wäh­le.

Wie ein Don­ner­schlag je­doch traf ihre Rede den zum zwei­ten Mal er­kann­ten. Ehe noch je­mand recht zur Be­sin­nung kam, hat­te er den Saal ver­las­sen, riss sein Pferd aus dem Stall, und der Huf­schlag sei­nes Ros­ses klang laut und dröh­nend, da er über die Zug­brücke in wil­dem Ra­sen fort­jag­te. Vie­le Tage ritt er kreuz und quer durch die Welt, ohne selbst zu wis­sen, wo­hin. Sein ed­les Ross, sol­cher An­stren­gung un­ge­wohnt, ward lahm und steif, und end­lich, da es nicht wei­ter konn­te, stieg er ab, über­ließ es auf ei­ner fet­ten, grü­nen Wie­se sei­nem Schick­sal und ging nun zu Fuß wei­ter, Bit­ter­nis, Groll und Verzweif­lung im Her­zen. Man­chen Tag noch wan­der­te er auf stau­bi­gen Stra­ßen da­hin, bis ihn der Zu­fall in sei­ne ei­ge­ne Hei­mat führ­te. Als er in einen Forst kam, hin­ter dem nur eine Ta­ge­rei­se ent­fernt sei­ne Hüt­te lag, la­ger­te er sich ne­ben ei­nem Quell, um Ge­sicht und Hän­de mit dem küh­len­den Nass zu net­zen.

Lan­ge Zeit saß er da in trü­ben Ge­den­ken sei­nes be­kla­gens­wer­ten Ge­schicks, als ein run­ze­li­ges Müt­ter­lein des We­ges kam, das im Wald nach Pil­zen ge­sucht hat­te.

»Gott zum Gruß schmu­cker Kna­be«, re­de­te sie ihn an, »was schaust du so dar­ein, als stün­de kei­ne Son­ne am Him­mel, als sän­ge kein Vög­lein im Wal­de? Solch sau­er­töp­fisch We­sen klei­det kein Ge­schöpf Got­tes.« Und das Müt­ter­chen setz­te sich zu ihm. Da fass­te er sich ein Herz, weil ihm so ster­bens­übel zu­mu­te war und er kei­ne See­le hat­te, der er sein un­se­lig Ge­schick be­rich­ten konn­te, und er er­zähl­te der Al­ten haarklein, was sich al­les mit ihm zu­ge­tra­gen hat­te. Da er ge­en­det, lä­chel­te das Müt­ter­chen und sprach: »Ein Ein­falts­pin­sel bist du, durch dei­ne di­cke Schwar­te sei all das Süße und Sau­re ge­gan­gen, was dir die klu­gen Dok­tors vor­ge­fa­belt? Nichts kann aus dem Men­schen kom­men, so es nicht in ihm ist. Ein freund­li­ches Herz, dazu un­merk­li­che Lei­tung, zar­te und fei­ne Zu­recht­wei­sung in Kin­der­ta­gen, wie sie eine lie­ben­de Mut­ter dem ei­ge­nen Blut zu­kom­men lässt – das ver­leiht ei­nem jene schö­ne Far­be her­kömm­li­cher gu­ter Sit­te, die den Men­schen zum Ka­va­lier macht. Ein Töl­pel bleibt ein Töl­pel in je­dem Stan­de!« Da­mit er­hob sie sich, nick­te ihm zu und hum­pel­te von dan­nen. Dem Bäu­er­lein war zu­mu­te, als hät­te der Him­mel sel­ber ihn ge­trös­tet; eilends schritt er vor­wärts, und froh klopf­te ihm das Herz, als er sein hei­mat­lich Dach bei sin­ken­der Son­ne er­reich­te.

Auf dem Bo­den sei­nes ei­ser­nen Kes­sels fand sich noch ge­ra­de eine Hand­voll Du­ka­ten, die dazu aus­reich­ten, ein neu­es Le­ben zu be­gin­nen. Das ge­sch­ah, und zu­frie­den sitzt er noch heu­ti­gen­tags dort, wo er saß, als wir die­se Ge­schich­te be­gan­nen.

Die Prinzessin mit den Entenfüßen

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Von Anna Be­the-Kuhn

Der alte Kö­nig war ge­stor­ben. Die Kam­mer­her­ren streif­ten schwar­zen Flor über ihre bunt­sei­de­nen Är­mel­puf­fen, und die Da­men drück­ten die Spit­zen­tüch­lein an die Au­gen, vor Kum­mer dar­über, dass nun der Hof­ball nicht statt­fin­den konn­te, der zum kom­men­den Tag an­ge­sagt wor­den war.

Im Krö­nungs­saal stand der Thron­ses­sel; er war schnee­weiß und hat­te ver­gol­de­te Füße, und über sei­ne Rücken­leh­ne her­ab hing der Pur­pur­man­tel mit dem Her­me­lin­fut­ter; den soll­te der jun­ge Prinz um­ge­legt be­kom­men. Der Hof­mar­schall hielt die Kro­ne zwi­schen den ge­spreiz­ten Fin­gern und fuch­tel­te mit dem Zep­ter durch die Luft. Das war ja ein net­ter Re­gie­rungs­an­tritt! Läu­fer lie­fen un­abläs­sig die Mar­mor­trep­pen des Schlos­ses hin­auf und her­un­ter; aber der jun­ge Prinz war nir­gends zu fin­den.

Durch den Schloss­hof schritt pfei­fend der Hü­ter­jun­ge. »Hier könnt ihr lan­ge su­chen«, lach­te er. »Drü­ben hin­term Wal­de bei den Moor­wie­sen liegt der Prinz im Gra­se und sieht die wei­ßen Wölk­lein flie­gen.«

Ja, nun wuss­ten sie es. Am meis­ten är­ger­ten sich die Läu­fer dar­über, den jetzt muss­ten sie in ih­ren spit­zen Schna­bel­schu­hen über den leh­mi­gen Wald­bo­den zu den Moor­wie­sen lau­fen. Schon von Wei­tem sa­hen sie den Prin­zen im Schilf­gras lie­gen. Als der die drei Läu­fer er­blick­te, stand er auf, klopf­te sich die Schilf­hal­me vom Wams und ging ih­nen ent­ge­gen. »Ich weiß be­reits al­les«, sag­te er. »Das Klügs­te wird sein, ich füge mich in das Un­ver­meid­li­che. Aber das dürft ihr mir schon glau­ben: Ich hät­te lie­ber mein Leb­tag an den Moor­wie­sen Schwei­ne ge­hü­tet, als nach mei­nes Va­ters Tod den Thron be­stie­gen.« Wahr­haf­tig, das sag­te er.

Drin­nen im Schlos­se be­kam der jun­ge Prinz vom Hof­mar­schall die Kro­ne auf­ge­setzt. »Das Ding wird mir den Ver­stand zer­quet­schen«, sprach er und schüt­tel­te sei­nen Kopf, dass die Lo­cken flo­gen. Aber der Hof­mar­schall ließ kei­ne Ein­wen­dun­gen gel­ten; er hing dem Prin­zen den Pur­pur­man­tel um die Schul­tern und drück­te ihm das Zep­ter in die Hand. Hier­mit war die Krö­nung voll­bracht. Der jun­ge Kö­nig beug­te das Haupt un­ter der Last sei­ner Kro­ne und ließ den Arm sin­ken. »Jetzt ver­ste­he ich erst, wie schwer das Re­gie­ren ist!«, mein­te er und seufz­te tief.

Al­l­abend­lich, wenn die Son­ne sich rot im Moor­teich spie­gel­te, warf der jun­ge Kö­nig Pur­pur­man­tel und Zep­ter bei­sei­te und wan­der­te ein­sam durch den grü­nen Wald zu den Moor­wie­sen hin­aus. Dort leg­te er sich ins Schilf­gras und starr­te zum Abend­him­mel em­por, bis die Ster­ne glit­zer­ten.

Das ging so eine gute Wei­le, bis man im Schloss über die son­der­ba­re Ge­wohn­heit des jun­gen Kö­nigs zu re­den be­gann und al­ler­hand schlech­tes und Un­rech­tes da­hin­ter ver­mu­te­te.

Ei­nes schö­nen Ta­ges zog der Hof­mar­schall den jun­gen Kö­nig bei­sei­te. »Ma­je­stät ver­zei­hen«, flüs­ter­te er ihm ins Ohr, »aber so darf es nicht wei­ter­ge­hen. Das Volk murrt; die Re­gie­rungs­ge­schäf­te krie­chen einen Krebs­gang; in un­se­rer Schatz­kam­mer ver­mag bald ein Blin­der die Du­ka­ten zu zäh­len. Kurz und gut, ich sehe nur einen Aus­weg, wie dem ab­zu­hel­fen sei: Ma­je­stät müs­sen hei­ra­ten!«

Der jun­ge Kö­nig run­zel­te die Brau­en. Doch so leicht ließ sich der Hof­mar­schall nicht aus dem Kon­zept brin­gen. »Wenn ich mir einen Vor­schlag er­lau­ben dürf­te«, fuhr er fort, »so käme da in ers­ter Li­nie Prin­zes­sin Li­li­en­blatt in Be­tracht« –

Jetzt wur­de es dem jun­gen Kö­nig aber zu bunt. »Bleibt mir mit Eu­ren künst­li­chen Prin­zes­sin­nen vom Lei­be!«, schrie er und stampf­te mit dem Fuß auf. »Wenn ich hei­ra­te, will ich mir mei­ne Frau sel­ber aus­su­chen.«

»Wahr­haf­tig, das fehl­te mir ge­ra­de noch, zu hei­ra­ten!«, sag­te der jun­ge Kö­nig, als er abends bei den Moor­wie­sen im Schilf­gra­se lag. »Lie­ber sprän­ge ich in den Moor­teich, dort, wo er am tiefs­ten ist. Da weiß man we­nigs­tens, was ei­nem be­vor­steht.«

»Hoho, das ist auch eine An­sicht!«, quak­te es plötz­lich ne­ben ihm. Der jun­ge Kö­nig hob er­staunt den Kopf und sah einen di­cken, grü­nen Frosch im Schil­fe sit­zen, der ihn mit run­den Au­gen anglotz­te und ver­gnüg­lich mit dem Kop­fe wa­ckel­te. »Ihr scheint schlech­te Er­fah­run­gen ge­macht zu ha­ben, gu­ter Freund«, sag­te der Frosch, und dann lach­te er, dass er or­dent­lich Was­ser prus­te­te.

»Ich habe gar kei­ne Er­fah­run­gen ge­macht«, er­wi­der­te der jun­ge Kö­nig, »aber ich ver­spü­re kei­ne Lust, mit ei­nem je­ner Reifrock­ge­stel­le, die ich auf den Hof­bäl­len her­um­schwen­ken muss­te, eine Ehe ein­zu­ge­hen. Das kann nie­mand ver­wun­dern, der Prin­zes­sin­nen kennt.«

»Ich ken­ne sie zwar nicht«, sag­te der Frosch, »aber ich kann mir vor­stel­len, dass sie alt und ver­trock­net sind. Sie müss­ten ein­mal in fri­sches Was­ser ge­setzt und or­dent­lich un­ter­ge­tunkt wer­den.«

»Das ist ein vor­treff­li­cher Ge­dan­ke«, mein­te der jun­ge Kö­nig und lach­te.

»Ich habe im­mer vor­treff­li­che Ge­dan­ken«, ant­wor­te­te der Frosch und blies sich auf, »aber mei­nes Äu­ße­ren we­gen wer­den sie nicht be­ach­tet; und zwar nur aus dem Grun­de, weil ich so gras­grün bin. Das Grün ist doch nun ein­mal mei­ne Leib­far­be.«

»Wenn du so vor­treff­li­che Ge­dan­ken hast«, sag­te der jun­ge Kö­nig, »so kannst du mir ge­wiss zu ei­ner Frau ver­hel­fen. Es soll aber kei­ne Frosch­kö­ni­gin sein, son­dern ein schö­nes, warm­blü­ti­ges Men­schen­kind. Die­se Be­din­gung stel­le ich.«

»Nichts leich­ter als das«, sag­te der Frosch. »Komm heu­te Nacht, wenn der Voll­mond scheint an den Moor­teich, da kannst du das hol­des­te Mäd­chen der Welt die En­ten hü­ten se­hen. Sie ist so hübsch, dass ich eine Zeit lang sel­ber dar­an dach­te, sie zu hei­ra­ten. Aber sie ver­mag sich nicht or­dent­lich auf­zu­bla­sen und hat eine me­lo­di­sche Stim­me. Mit die­sen Män­geln könn­te sie nie bei uns zu Hof er­schei­nen, und dar­auf sehe ich.«

»Das wäre für mich kein Hin­de­rungs­grund«, sprach der jun­ge Kö­nig. »Ge­fällt mir die schö­ne En­ten­hü­te­rin eben­so gut wie dir, so soll nichts auf Er­den mich dar­an hin­dern, sie zur Frau zu neh­men.«

So­bald der Voll­mond hin­term Wald­rand auf­zu­stei­gen be­gann, zog sich der jun­ge Kö­nig in sei­ne Ge­mä­cher zu­rück, warf einen schwar­zen Man­tel um, stülp­te die Ka­pu­ze über den Kopf und schlich un­er­kannt durch eine Hin­ter­pfor­te zum Schloss hin­aus. Schon von fern sah er die Moor­wie­sen im Mond­schein glän­zen. Irr­lich­ter lie­fen vor sei­nen Fü­ßen hin und her und wie­sen ihm den Weg.

Da war auch sein Freund, der Frosch. Breit­spu­rig saß er mit­ten auf der Land­stra­ße und er­war­te­te ihn. »Da bist du ja!«, quak­te er. »Potz Moor­schlamm und Flie­gen­bein, du scheinst es ei­lig zu ha­ben!« Und er lach­te, bis er sich ver­schluck­te.

»Spa­re jetzt dei­ne Scher­ze«, sag­te der jun­ge Kö­nig, dem doch ein we­nig ängst­lich ums Herz war, »zei­ge mir lie­ber die­je­ni­ge, de­rent­wil­len ich durch Nacht und Ne­bel hier­her­ge­kom­men bin.«

»Hät­test du Au­gen im Kop­fe, hät­test du sie längst er­blickt«, ver­setz­te der Frosch. »Drü­ben am Teich­rand sitzt sie und lässt die Füße ins Was­ser hän­gen. Aber euch Men­schen­kin­dern muss man die Nase auf al­les sto­ßen, sonst merkt ihr es nicht.«

Der jun­ge Kö­nig blick­te zum Teich­rand hin­über. Da saß ein Mäd­chen, das hat­te ein Ge­sicht wei­ßer als die Mond­strah­len, Au­gen dun­kelblau­er als der Nacht­him­mel und Haa­re gold­gel­ber und wei­cher als der zar­tes­te En­ten­flaum.

»Sie ist wirk­lich wun­der­schön«, sag­te der jun­ge Kö­nig, der kei­nen Blick von dem Mäd­chen wen­den konn­te. »Ich gäbe mein Kö­nig­reich dar­um, wenn sie mei­ne Frau wer­den woll­te.«

»Das Kö­nig­reich kannst du ru­hig be­hal­ten«, sag­te der Frosch, »das wird sie nicht ge­nie­ren. Aber zu ihr hin­über­hüp­fen lass uns, eh’ es zu spät wird; denn Glo­cken­schlag Eins muss die schö­ne En­ten­hü­te­rin wie­der nach Hau­se.«

Sie gin­gen nun zu­sam­men um den Moor­teich her­um zu dem Plat­ze, wo das Mäd­chen saß. Das stieß beim An­blick der bei­den einen lei­sen Schrei aus und zog sein auf­ge­schürz­tes Ge­wand so tief hin­ab, dass der Saum das Was­ser be­rühr­te.

»Schö­nen gu­ten Abend mein Fräu­lein«, quak­te der Frosch. »Hier brin­ge ich Euch einen Freund, der ein wasch­ech­ter Prinz und Kö­nig ist und Euch zur Frau ha­ben möch­te.«

Das schö­ne Mäd­chen be­trach­te­te den jun­gen Kö­nig und senk­te ver­wirrt die nacht­him­melblau­en Au­gen zu Bo­den. »Das kann Euer Ernst nicht sein«, sprach es zum Frosch. »Wer soll­te künf­tig bei Voll­mond mei­ne En­ten hü­ten?«

»Aus­flüch­te – Aus­flüch­te –«, quak­te der Frosch.

Aber das Mäd­chen schüt­tel­te trau­rig den Kopf. »So leid es mir tut, ich kann Euch nicht hei­ra­ten«, sag­te es zu dem jun­gen Kö­nig. Der woll­te ge­ra­de zu ei­ner Lie­bes­er­klä­rung den Mund öff­nen, als ihm der nas­se Frosch auf die Hand sprang und ihm einen ge­lin­den Schau­er über den Rücken jag­te.

»Im­mer kalt Blut«, be­schwich­tig­te der Frosch den jun­gen Kö­nig, »sie wird schon ihre Grün­de ha­ben, wes­halb sie dich nicht hei­ra­ten will.« Und er dräng­te zum Auf­bruch. Schwe­ren Her­zens nahm der jun­ge Kö­nig von der Schö­nen Ab­schied. »Grün ist die Hoff­nung«, sprach er seuf­zend zum Frosch, als sie zu­sam­men um den Moor­teich her­um­gin­gen. »Grün ist mei­ne Leib­far­be«, quak­te der Frosch und lach­te, dass es glucks­te. Plantsch! da sprang er mit ei­nem Satz in den Moor­teich hin­ein und ließ den ar­men jun­gen Kö­nig am Ufer ste­hen. Ja, nun wuss­te er so viel wie vor­her.

Von die­ser Stun­de an wur­de es mit sei­ner Trau­rig­keit noch schlim­mer. Zwar wan­der­te er nicht mehr all­abend­lich zu den Moor­wie­sen hin­aus, al­lein in je­der Voll­mond­nacht er­hob er sich von sei­nem La­ger, klei­de­te sich an und schlich heim­lich zum Moor­teich. Der Moor­teich aber lag schwarz und reg­los, und der Platz, auf dem die Schö­ne ihre En­ten ge­hü­tet hat­te, war leer. Nicht ein­mal der Frosch ließ sich mehr se­hen. Nur manch­mal woll­te es dem jun­gen Kö­nig schei­nen, als höre er aus der schwärz­li­chen Tie­fe her­aus ein scha­den­fro­hes Qua­ken. Doch das konn­te auch eine Täu­schung sein. Und bleich und ver­härmt kehr­te er ins Schloss zu­rück.

Ei­nes Ta­ges zog der Hof­mar­schall den jun­gen Kö­nig wie­der bei­sei­te. »Ma­je­stät«, sprach er, »Ma­je­stät er­tra­gen die Ein­sam­keit nicht. Ich er­lau­be mir noch­mals zu wie­der­ho­len: Ma­je­stät soll­ten hei­ra­ten!«

Dies­mal stampf­te der jun­ge Kö­nig nicht mit dem Fuß auf; müde und gleich­gül­tig be­trach­te­te er sei­ne Fin­ger­spit­zen. »Wenn es sein muss, warum nicht?«, sag­te er und zuck­te die Ach­seln. Moch­ten sie mit ihm an­fan­gen, was sie woll­ten; ihm war al­les ei­ner­lei.

Der Hof­mar­schall rieb sich freu­de­strah­lend die Hän­de. Und schon am nächs­ten Tag be­gann in dem stil­len Schlos­se ein Le­ben und Trei­ben, dass es eine Lust war. Dro­ben in den Ge­mä­chern häuf­ten sich Sam­te und Bro­ka­te, Gold- und Sil­ber­b­or­ten, Pel­ze und wal­len­de Strau­ßen­fe­dern. Und auf den Stüh­len rings­her­um sa­ßen hun­dert Schnei­der, die sti­chel­ten mit den Na­deln und klap­per­ten mit den Sche­ren und nah­men dem jun­gen Kö­nig Maß für sei­ne Hoch­zeits­klei­der. Das war eine Ar­beit!

End­lich hin­gen Män­tel, Wämse, Ho­sen und Ba­ret­te fix und fer­tig im Schrank. Der Hof­mar­schall ließ die Hof­kut­sche be­span­nen, setz­te den jun­gen Kö­nig hin­ein und sich an sei­ne Sei­te, und fort rat­ter­ten sie ins Land hin­aus.

Na­tür­lich wur­den sie über­all mit Freu­den und den ge­büh­ren­den Ehren emp­fan­gen. Sämt­li­che Prin­zes­sin­nen der Welt wa­ren mit Ver­gnü­gen be­reit, die Frau des hüb­schen jun­gen Kö­nigs zu wer­den. Aber was den jun­gen Kö­nig be­traf, so konn­te er zu kei­ner von ih­nen ein Herz fas­sen. Un­will­kür­lich ver­glich er die Blon­den und Schwar­zen, Gro­ßen und Klei­nen, Di­cken und Dün­nen, Klu­gen und Dum­men mit sei­ner schö­nen En­ten­hü­te­rin. Und den Ver­gleich konn­ten sie alle nicht aus­hal­ten.

Schließ­lich hat­ten die bei­den alle Kö­nigs­sch­lös­ser der Welt be­sucht bis auf eins. Das lag auf ei­nem ver­ru­fe­nen Er­len­hü­gel und ge­hör­te ei­nem mäch­ti­gen al­ten Kö­nig, von dem man sich die selt­sams­ten Din­ge er­zähl­te. Auch der Hof­mar­schall wuss­te da­von zu be­rich­ten. So soll­te des al­ten Kö­nigs Mut­ter böse Küns­te ge­trie­ben ha­ben, und was schlim­mer war als das: Über die Her­kunft der früh ver­stor­be­nen Kö­ni­gin gin­gen al­ler­hand dunkle Gerüch­te um. Ja man­che Leu­te be­haup­te­ten steif und fest, das sie nichts wei­ter ge­we­sen wäre als eine ganz ge­wöhn­li­che Gän­se­magd! Der Hof­mar­schall schau­der­te bei dem blo­ßen Ge­dan­ken, dass der jun­ge Kö­nig die­ses Schloss be­su­chen könn­te.

Der aber rieb sich scha­den­froh die Hän­de. »Nun ge­ra­de!«, sag­te er. Und dann klopf­te er an das Kut­schen­fens­ter und be­fahl dem Kut­scher, schnur­stracks zu die­sem Schlos­se hin­zu­fah­ren. Das mach­te ihm ein­mal ganz be­son­de­ren Spaß.

Der alte Kö­nig emp­fing ihn in höchstei­ge­ner Per­son auf der Trep­pe. »Gro­ße Ehre!«, sag­te er und tät­schel­te dem jun­gen Kö­nig die glat­ten Wan­gen. Auf Eti­ket­te gab er nicht viel.

Er ge­lei­te­te sei­ne bei­den Gäs­te in den Thron­saal und bat sie, Platz zu neh­men; so­dann schick­te er einen klei­nen Pa­gen, der ge­ra­de mit Ab­bürs­ten des Thron­ses­sels be­schäf­tigt war, hin­auf, sei­ne Toch­ter zu ho­len.

»Ich glau­be wohl, dass sie Euch ge­fal­len wird«, sag­te der alte Kö­nig zum jun­gen. Da ging auch schon die Tür auf, und her­ein trat nie­mand an­ders als – die schö­ne En­ten­hü­te­rin sel­ber! Ihr Ge­sicht war wei­ßer als die Mond­strah­len, ihre Au­gen dun­kelblau­er als der Nacht­him­mel und ihre Haa­re gold­gel­ber und wei­cher als der zar­tes­te En­ten­flaum. Sie trug ein hell­far­be­nes Schlepp­ge­wand und schritt leicht wie­gen­den Gan­ges auf den al­ten Kö­nig zu. »Ihr habt be­foh­len, Va­ter«; sprach sie und küss­te des Al­ten Hand.

Der alte Kö­nig strich ihr wohl­ge­fäl­lig über das gold­gel­be Haar. »Hier ist ei­ner, der dich zur Frau ha­ben möch­te«, sag­te er und wies auf den jun­gen Kö­nig, der vor Freu­de und Schreck ab­wech­selnd rot und blass wur­de.

Das Mäd­chen blick­te den jun­gen Kö­nig an, ver­färb­te sich und barg sein Ant­litz in den Hän­den.

»Seid ohne Sor­ge«, sag­te der alte Kö­nig zum jun­gen, »sie ist noch et­was schüch­tern.« Da senk­te die schö­ne En­ten­hü­te­rin den Kopf und ging lang­sam wie­der zur Tür hin­aus; und ihr hell­far­be­nes Ge­wand schlepp­te rau­schend hin­ter­drein.

»Ich sehe, Ihr liebt sie«, sprach der alte Kö­nig zum jun­gen, »und da Ihr ein an­ge­neh­mer jun­ger Mann seid, ge­gen den nichts ein­zu­wen­den ist, will ich sie Euch zur Frau ge­ben.«

Nun wur­de der Hof­kü­chen­meis­ter her­bei­ge­ru­fen und ihm be­foh­len, das Ver­lo­bungs­mahl her­zu­rich­ten. In we­ni­ger als ei­ner Vier­tel­stun­de war die Ta­fel be­reit, und die leckers­ten Bra­ten­ge­rü­che er­füll­ten die Luft. Und sie­he! Kaum hat­te man den letz­ten Stuhl an den Tisch ge­rückt, als sich auch schon die Tü­ren öff­ne­ten und Ka­va­lie­re und Da­men er­schie­nen. Sie mach­ten dem al­ten Kö­nig ihre Re­ve­renz, gra­tu­lier­ten und nah­men in fei­er­li­chem Zuge ihre Plät­ze an der Ta­fel ein.

Und wie­der­um tat sich die Tür auf, und die schö­ne Kö­nigs­toch­ter trat in den Saal. Sie war ganz in wei­ße Sei­de ge­klei­det, aber ihr An­ge­sicht war tau­send­mal wei­ßer als die Sei­de, und in ih­ren Au­gen stan­den Trä­nen. Sie setz­te sich an des jun­gen Kö­nigs Sei­te und sprach kein Wort. Der arme jun­ge Kö­nig wuss­te zu­letzt gar nicht mehr, was er den­ken soll­te.

Als das Mahl zu Ende ging, er­hob sich die schö­ne Kö­nigs­toch­ter und ver­schwand. Der alte Kö­nig schlug sei­nen Gäs­ten zum Nach­tisch ein Wür­fel­spiel vor. Aber der jun­ge Kö­nig dank­te. Er wol­le lie­ber im Gar­ten spa­zie­ren ge­hen, mein­te er. Ihm war nicht nach Wür­fel­spie­len zu­mu­te.

Er schritt die Mar­mor­stu­fen zum Gar­ten hin­un­ter und wan­der­te zwi­schen den Buchs­baum­he­cken auf und nie­der. Rechts und links vom Weg sa­ßen bun­te Pa­pa­gei­en auf sil­ber­nen Stan­gen, die hack­ten mit den Schnä­beln nach ihm und lach­ten ihn aus. Der jun­ge Kö­nig dreh­te den bos­haf­ten Vö­geln den Rücken, ver­ließ den Gar­ten und wan­der­te in den na­hen Wald.

Da war es kühl und still. Die Tan­nen rausch­ten über sei­nem Haupt, und mur­meln­de Wäs­ser­lein si­cker­ten zwi­schen Busch­werk und Far­nen da­hin. Der jun­ge Kö­nig leg­te sich ins Moos, stütz­te den Kopf in die Hän­de und träum­­­­­­­­