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Inhaltsverzeichnis

Liebe Leserin, lieber Leser,
Kapitel I - Omnia vincit amor! – Die Liebe besiegt alles!
Kapitel II - Modus vivendi – eine Art zu leben
Kapitel III - Citius, altius, fortius! – Schneller, höher, weiter!
Kapitel IV - De gustibus non est disputandum! – Über Geschmack lässt sich nicht streiten!
Kapitel V - Non scholae sed vitae discimus! – Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir!
Kapitel VI - Maiore tormento pecunia possidetur quam quaeritur. – Geld zu besitzen, ist eine noch größere Tortur, als es zu erwerben.
Kapitel VII - Homo sum. Humani nil a me alienum puto. – Ich bin ein Mensch. Nichts Menschliches ist mir fremd.
Kapitel VIII - Si tacuisses, philosophus mansisses! – Hättest du geschwiegen, wärst du ein Philosoph geblieben!
Kapitel IX - Deo gratias! – Gott sei Dank …
Kapitel X - Fabula docet! – Die Fabel lehrt!
Kapitel XI - Non liquet – nicht spruchreif
Kapitel XII - Ad fontes – zu den Quellen
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Kapitel I

Omnia vincit amor! – Die Liebe besiegt alles!

Mit Lateinkenntnissen öffnen Sie jedes Herz.
Hier erhalten Sie dazu so manchen passenden Schlüssel!

Omnia vincit amor! –
Die Liebe besiegt alles!

Agens

Das Treibende. Die treibende Kraft. Es soll Paare geben, die zwar schon seit dreißig Jahren zusammenleben, aber noch keiner hat sich getraut, dem anderen den alles entscheidenden Heiratsantrag zu machen.

 

Alter ego

Zweites Ich. Ein Freund wird gern als Zweites Ich bezeichnet. So schreibt Cicero an Caesar: Vide, quam mihi persuaserim te me esse alterum! Schau, wie sehr ich davon überzeugt bin, dass du mein zweites Ich bist! Ein Beispiel aus der Rubrik Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde. Schließlich bezeichnete Cicero später Caesar als Tyrannen und Wildes Tier und feierte ausgelassen dessen Ermordung.

 

Ama et fac quod vis

Liebe und tu, was du willst! Der heilige Augustinus forderte damit keineswegs zum fröhlichen Gruppensex auf. Vielmehr brachte er damit sein Ideal einer freien, nur an Gott ausgerichteten Persönlichkeit auf den Punkt.

 

Amantes amentes

Die verrückten Liebenden. Oder: Liebe macht blind.

 

Amantium irae amoris integratio est

Der Zorn der Liebenden ist die Erneuerung der Liebe. Anders gesagt: Was sich liebt, das neckt sich.

 

Amicus certus in re incerta cernitur

Den wahren Freund erkennt man in der Not. Diese Weisheit stammt ausgerechnet von Cicero, dem man durchaus einen gewissen Hang zum Opportunismus nachsagte.

 

Amor est parens multarum voluptatum

Die Liebe ist die Mutter vieler Freuden. Unter anderem der Mutterfreuden …

 

Ars amandi

Die Kunst zu lieben nannte Ovid ein Lehrgedicht in drei Büchern. Dabei ging er Fragen nach wie: Wo findet man in Rom Mädchen? Wie baggert man sie an? Wie schafft man es, dass sie einem nicht gleich wieder davonlaufen? Ein Werk voller aktueller Bezüge, wie ich finde.

 

De profundis

Aus den Tiefen. Sinngemäß: aus tiefer Not; gut bekannt in allen Fällen von Liebeskummer.

 

Fidelem si putaveris, facies

Wenn du ihn für treu hältst, wirst du ihn dazu machen, meint die Mutter, als sie die jüngste Flamme ihrer Tochter kennengelernt hat. Und fügt hinzu: Fides sanctissimum humani pectoris bonum est. Die Treue ist das heiligste Gut des menschlichen Herzens.

 

Filia hospitalis

Das Töchterlein des Wirtes war für so manchen Kneipenbesitzer Gold wert. Hatte es doch in vergangenen Zeiten seine größten Verehrer unter den Studenten, die für eifrig Umsatz sorgten. Je hübscher die Tochter, desto besser verdiente der Herr Papa. Das Risiko für ihn, dabei frühzeitig Großpapa zu werden, dürfte allerdings nicht außer acht gelassen werden.

 

Gallina scripsit

Die Henne hat es geschrieben. Von Plautus stammt dieses Bild. Es meint „Krähenfüße“, also die Altersfalten, die das Leben in unsere Gesichter kerbt. Naja, jedenfalls in meines.

 

Gratia alicuius florere

Bei jemandem in hoher Gunst stehen, einen Stein im Brett haben. Aber das Leben ist ein ewiges Geben und Nehmen, denn: Gratia gratiam parit. Gunst erzeugt Gunst.

 

Improbe amor, quid non mortalia pectora cogis!

Unersättliche Liebe, wozu treibst du nicht die sterblichen Herzen! Stammt von Vergil, könnte aber auch schon in der Hitparade des volkstümlichen Schlagers gehört worden sein.

 

In perpetuam memoriam

Zum ewigen Gedenken. Das wär doch ein Spruch fürs Poesiealbum!

 

In puris naturalibus

Im reinen Naturzustand. Also nackt wie die Natur uns schuf.

 

Invenit patella operculum

Die Schale fand einen Deckel. Ein Trost für alle mehr oder weniger unfreiwilligen Singles: Für jedes Töpfchen gibt es ein Deckelchen. Jedenfalls, wenn man den einschlägigen Partnerschaftsportalen im Internet Glauben schenken darf.

 

Ius primae noctis

Das Recht der ersten Nacht. Angeblich hatten die Feudalherren im Mittelalter das Recht, die Brautnacht mit ihren weiblichen Leibeigenen zu teilen. Doch dieses Recht wird bereits im dritten Jahrtausend vor Christus im Gilgamesch-Epos erwähnt.

 

Latet anguis in herba

Verborgen liegt eine Schlange im Gras. Wem fielen zu diesem Satz von Vergil nicht Adam und Eva ein?

 

Magna amoris conspiratione consentire

In großer Harmonie der Liebe einer Meinung sein, ein Herz und eine Seele sein. Die Älteren unter uns werden sich noch an die großartige gleichnamige Fernsehserie mit „Ekel Alfred“ erinnern.

 

Matura, dum libido manet

Beeile dich, solange die Leidenschaft besteht, sagt Terenz. Schmiede das Eisen, solange es heiß ist. In Liebesdingen wäre es allerdings manchmal besser, noch ein bisschen zuzuwarten. Das könnte die Scheidungsrate vielleicht senken.

 

Mea virtute mea involvo

Ich hülle mich in meine Tugend, in den Mantel der Tugend, behauptet Horaz in seinen Oden. Meine alte Deutschlehrerin, Gott hab sie selig – wir nannten sie die „fromme Helene“  – überraschte unsere Klasse einmal mit dem Satz: Tugend ist Mangel an Gelegenheit.

 

Militat omnis amans

Jeder Liebende leistet Kriegsdienst. Dem ist kaum etwas hinzuzufügen.

 

Non potest amor cum timore misceri

Liebe und Furcht sind unvereinbar. Ob es wohl darum heißt: Liebet eure Feinde?

 

Omnia vincit amor

Alles bezwingt die Liebe! Vor allem den Verstand!

 

Post nubila Phoebus

Nach den Wolken die Sonne. Durch Finsternis zum Licht – oder: Über sieben Brücken musst du gehen, wie immer Sie wollen. Jedenfalls: Da muss man durch!

 

Secundae res ei de amore sunt

Bei ihm sind glückliche Umstände in der Liebe. Er hat Glück in der Liebe. Wer braucht da noch einen Sechser im Lotto?

 

Sic ignis non refert, quam magnus, sed quo incidat

Beim Feuer spielt es keine Rolle, wie groß es ist, sondern wohin es fällt. Schon Seneca wusste: Manchmal arbeitet man sich in Liebesdingen ab und erreicht gar nichts. Und ein andermal kommt man ans Ziel, und weiß nicht einmal recht, wie und warum.

 

Si vis amari, ama!

Liebe, wenn du geliebt werden willst! Genau: Die Voraussetzung, jemand anderen zu lieben, ist, sich selbst zu mögen!

 

Sub rosa

Unter der Rose. Ganz unter uns. Die Rose ist das Symbol des Schweigens. Wer jemandem sub rosa seine Liebe gesteht, tut dies unter dem Siegel der Verschwiegenheit. So wie Cupido, der Gott der begehrlichen Liebe, der seinen Kollegen Harpocrates, dem Gott der Verschwiegenheit, darum bat, über die Liebesaffäre seiner Mutter Venus die Klappe zu halten. Zu diesem Zweck schickte er ihm – genau – Rosen.

 

Variatio delectat

Abwechslung erfreut. Das wussten sowohl Cicero als auch Phädrus, bei dem es allerdings heißt: Varietas delectat. Was wäre zum Beispiel die Modebranche ohne diese Erkenntnis?

 

Varium et mutabile semper femina

Bunt und wechselhaft ist doch immer das Weib! Fand Vergil. Auch schon zur Zeit Christi Geburt war die Mode bei Frauen das Thema Nummer eins. Das weiß jeder Asterix-Leser. Auch über die weibliche Wechselhaftigkeit erfährt man dort so einiges …